Museum für Architekturzeichnung, Berlin

Massive Leinwand für filigranes Design

Mitten in Berlin, im Szeneviertel Prenzlauer Berg, entstand mit dem Museum für Architekturzeichnung ein weiteres bedeutendes Kulturinstitut. Der Architekt und Sammler, Sergei Tchoban, realisierte mit dem Museumsbau seine Vision eines idealen Ortes für Architekturzeichnungen. Seit der Eröffnung 2013, zeigt das privat geführte Museum in wechselnden Ausstellungen Exponate der Tchoban Foundation sowie weltweit führender Kulturinstitutionen.
 
Die Tchoban Foundation verfügt über eine hochkarätige, einzigartige Sammlung von Architekturzeichnungen. Diese erhalten nun mit dem anspruchsvollen Museumsentwurf eine wertschätzende Plattform. Auf zwei Galerieebenen können Besucher die Werke der Zeichentalente bestaunen und sich über deren Entstehungsgeschichte informieren. In den hochmodernen Archiven finden die empfindlichen Einzelstücke außerdem eine adäquate Unterbringung. Der Entwurf stammt von Sergei Tchoban selbst und ist in Kooperation mit dem Moskauer Büro SPEECH entstanden. Er überzeugt jedoch nicht nur aufgrund seiner Funktionalität, sondern außerdem aufgrund einer einfallsreichen Architektursprache, welche die Nutzung des Gebäudes bereits auf der Hülle illustriert. Es ist ein unverwechselbares Design mit zeitloser Identität.
 
Das Gebäude präsentiert sich als Addition einzelner Volumina, die jedes der fünf Geschosse deutlich ablesbar machen. Jeweils auf vertikaler Achse verdreht, bilden sich Auskragungen und Erker, die dem Massivbau eine dynamische Leichtigkeit verleihen. Das außergewöhnliche Erscheinungsbild weckt Assoziationen an lose gestapelte Papierbündel, was der gelbgraue Beton als dominierendes Baumaterial noch deutlicher betont. Zusätzlich ist die Gebäudehaut dekoriert mit architektonischen Skizzen, die als Relief aufgeprägt wurden und eine Referenz an die Funktion des Museums sind. Ein verglastes Staffelgeschoss bildet den oberen Abschluss des Gebäudes. Dieser transparente Körper dient den Kuratoren der Sammlung als Besprechungsraum und bietet einen ungehinderten Ausblick auf das urbane Leben Berlins.
 
Besucher betreten das Museum durch eine hölzerne Tür, die sich in einer Nische an der Straßenfront verbirgt. Von hier aus gelangt man in das in Brauntönen gehaltene Empfangsfoyer mit Garderobe und Museumsshop. Die Verwendung von Nussbaumholz sorgt für eine Bibliotheksatmosphäre, die Besucher auf die Ausstellung einstimmt. Ausgestattet ist das Museum mit Elektroinstallation von JUNG im Design des Klassikers LS 990. Mattglänzend veleiht Messing den Räumlichkeiten eine besondere Eleganz. Das spezielle Oberflächenfinish harmoniert mit dunklen Tönen, ebenso wie mit hellen Farben.
 
Die Ausstellungsräume des Musuems befinden sich im ersten und zweiten Geschoss. Hier ist ein ungestörtes Studium der Werke in stilvollem Ambiente möglich. Im dritten Obergeschoss ist das eigentliche Herzstück der Stiftung untergebracht: das Archiv mit seinen zahlreichen historischen Skizzen, sicher aufbewahrt für die nächsten architekturbegeisterten Generationen.
Pictures: Henrik Schipper

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