Stuttgart

DIGITALES BAUEN – Mehr als nur BIM

Der Arbeitsprozess in der Architektur wird zunehmend digitalisiert. Trotz enormer technischer Fortschritte besteht jedoch weiterhin ein Bruch zwischen dem digitalen Entwerfen und dem digitalen Bauen. Das Entwerfen mit BIM entwickelt sich – auch in Deutschland – mehr und mehr zum Standard, ist jedoch nur ein Werkzeug und Teil eines digitalen Ganzen. Über den steinigen Weg, hin zu einem einheitlichen Entwurfs- und Bauprozess und der Qualität von digitaler Architektur, diskutierten auf den 13. JUNG Architekturgesprächen in Stuttgart am 17. Mai 2018 Friedrich Ludewig von ACME, London, Jan Musikowski von RICHTER MUSIKOWSKI, Berlin und Thomas Vietzke von Vietzke&Borstelmann Architekten, Hamburg in der von Boris Schade-Bünsow moderierten Podiumsdiskussion. 
  

In England ist das digitale Entwerfen bereits Pflicht. Das Londoner Büro ACME entwickelt alle Projekte von Beginn an im digitalen 3D-Modell. Friedrich Ludewig bemängelt in seinem Vortrag jedoch, dass Bauvorschriften und unausgereifte Prozesse dazu führen, dass digitale Werkzeuge beim Bauen noch zu selten genutzt werden können, denn durch Parametrisierungen und Algorithmen sei es bereits möglich, perfektionierte Muster komplexer Strukturen auf der Baustelle digital zu erstellen. Gegliedert in ein breites Materialspektrum präsentierte er die Projekte seines Büros, die durch differenzierte, dreidimensionale Fassadenornamente mit Hilfe von Parametrisierung zum Unikat werden.
Friedrich Ludewig
ACME, London

Mit dem Futurium in Berlin gelang dem Büro RICHTER MUSIKOWSKI ein bemerkenswerter Start. Zusammen reichten sie als freie Architekten ihren ersten Wettbewerb zum damaligen Haus der Zukunft ein und gewannen direkt den 1. Preis. Mit dem Realisierungsauftrag gründeten sie ihr Büro in Berlin. Etwas, von dem die meisten jungen Architekten in Deutschland nur träumen können. Jan Musikowski präsentierte ein energetisch autarkes Projekt, bei dem zwar viele Schnittstellenprobleme durch digitale Werkzeuge gelöst werden konnten, jedoch der Entwurfsprozess weitestgehend noch analog und zweidimensional erfolgte.

Als Projektleiter bei Zaha Hadid Architects trug Thomas Vietzke maßgeblich dazu bei, eine neue Formsprache in der Architektur zu etablieren. Sein erstes Projekt, die Innsbrucker Hungerburgbahn (Fertigstellung 2007) war eines der ersten Projekte in Europa, bei denen ein digital entworfenes organisches Modell in analoge, organische Architektur 1:1 übertragen wurde. In seinem Vortrag demonstrierte er die Entwicklung digitalen Schaffens der letzten zehn Jahre und verdeutlichte an Projekten von Zaha Hadid Architects und seinem eigenen Büro Vietzke&Borstelmann Architekten, wie durch parametrisierte Regeln und Algorithmen ein Formfindungsprozess angestoßen und ein Entwurf generiert werden kann, der im Entwurfsprozess durch analoges Arbeiten mit Handskizzen und Modellen perfektioniert wird.
Thomas Vietzke 
von Vietzke&Borstelmann, Hamburg