KNX-Technik in der Sanierung von Plattenbauten

Der Begriff Plattenbau weckt Assoziationen, die nur selten schmeichelhaft sind. Jetzt wurden alle Vorurteile von der Wohnungsgenossenschaft Schwarzenberg, die sich bevorzugt der Sanierung dieser Bauten widmet, mit einem Schlag beseitigt. Eingesetzt wurde auch KNX-Technik von JUNG.

Die Wohnungsgenossenschaft Schwarzenberg eG verfügt über einen aktuellen Bestand von rund 2000 Wohnungen, insbesondere in Schwarzenberg und Johanngeorgenstadt. Die letzten Jahre waren aufgrund der wirtschaftlichen Zäsuren nicht ganz einfach, zumal der Genossenschaft vor allem die dramatischen Rückgänge bei den Einwohnerzahlen in den letzten 20 Jahren zu schaffen machten. Der Fortgang insbesondere der jüngeren Bevölkerung resultiert aus dem Zusammenbruch der dort ansässigen Industrie nach dem Fall der Mauer.

Aufgrund dieser Situation war die Wohnungsgenossenschaft schon frühzeitig gezwungen, sich mit Problemen auseinanderzusetzen, die in anderen Gebieten viel weniger Relevanz besaßen. Vorstandsvorsitzender Wolfgang Kastner: „Nicht zuletzt deshalb haben wir uns mit neuen Modellen im Wohnungsbau beschäftigt und hier sehr stark auf Innovationen gesetzt, so dass wir heute eine Art Vorreiterrolle einnehmen, wenn es beispielsweise um den Bereich der Sanierung alter Plattenbauten geht.“ Wer in den Wiesengrund in Schwarzenberg fährt, kann sich buchstäblich ein Bild davon machen, welche Leistungen sich hinter diesen innovativen Projekten verbergen. So findet man dort unter der Hausnummer 2-8 im Umfeld alter, grauer, durchaus ein wenig trostlos wirkender Plattenbauten ein vollständig saniertes Objekt, das seinen ursprünglichen Plattenbaucharakter vollständig abgelegt hat.

Zwei Geschosse mussten den Renovierungsmaßnahmen weichen; umfassende bauliche Sanierungsmaßnahmen unter Einsatz modernster Gebäudetechnik bilden die Basis für dieses Projekt, das sich heute außen und innen als komfortables und architektonisch ansprechendes Mietobjekt präsentiert. Helle Farben, schöne Balkone und innen eine nahezu maßgeschneiderte Raumaufteilung, die auch in kleinen Wohnungen allen Komfort bietet, charakterisieren den Gebäudekomplex. Als sich die Wohnungsgenossenschaft mit der Planung dieses Projektes beschäftigte, holte man Fachleute von der Westsächsischen Hochschule Zwickau und Experten für Gebäudetechnik aus dem Unternehmen JUNG in Schalksmühle mit ins Boot. „Die Firma JUNG hat uns hier als Partner maßgeblich unterstützt, beraten und viele Ideen mit eingebracht, so dass wir heute nicht nur von einem architektonisch ausgesprochen gelungenen Objekt sprechen können, sondern auch in der elektrotechnischen Ausstattung sicherlich Maßstäbe setzen,“ führt Wolfgang Kastner in einem persönlichen Gespräch aus. Erforderlich sind neue Ideen, insbesondere für ältere Menschen, die einen immer größeren Anteil an der Gesamtbevölkerung einnehmen.

So wurde die Sanierung im Rahmen des barrierefreien Wohnens realisiert. Prof. Dr. rer. pol. habil. Tobias Teich von der Westsächsischen Hochschule Zwickau, der Systemintegrator Dr. Matthias Zimmermann von der smart facility GmbH in Neumark und der Leiter Vertrieb Gebäudesystemtechnik im Unternehmen JUNG, Jens Stoll, waren von Anfang an in das Projekt mit eingebunden. Die skizzierten Ziele sollten unter anderem mittels intelligenter Gebäudetechnik erreicht werden.

Noch einmal zusammengefasst, ging es um Wirtschaftlichkeit, das heißt überschaubare Nebenkosten, Komfort und Sicherheit; insbesondere für ältere Bewohner, denen es ermöglicht werden soll, mithilfe moderner Elektroinstallationstechnik auch im hohen Alter noch selbstständig in den Wohneinheiten leben zu können. „Die intelligente Gebäudetechnik der Firma JUNG, von der auch das installierte Schalterprogramm (LS 990) stammt, bürgt in unserem Projekt dafür, dass die Nebenkosten deutlich niedriger ausfallen als in vergleichbaren Objekten, und außerdem sorgt sie für eine sehr leichte Bedienbarkeit aller technischen Einrichtungen, was besonders den Ansprüchen älterer Menschen entgegenkommt,“ berichtet Wolfgang Kastner. Aus ehemals insgesamt 48 sechsstöckigen Gebäudestrukturen wurden 32 viergeschossige, barrierefreie Gebäudestrukturen mit Aufzügen und intelligenter Technik geschaffen. Das heißt aber keineswegs, dass in den sanierten Wohnungen nur ältere Menschen leben, denn die Wohnungsgenossenschaft zielte bei ihren Planungen von Anfang an darauf ab, ein „Mehr-Generationen-Haus“ zu kreieren, in dem Alt und Jung gemeinsam unter einem Dach leben und in dem hochmoderne Technik eingesetzt wird, die jeder Bewohner problemlos bedienen kann.

Die Wohneinheiten haben eine Größe zwischen 52 m² und 65 m² und werden aktuell zu einem Grundmietpreis von 5,50 € kalt pro Quadratmeter angeboten. Dass die Wohnungsgenossenschaft das Projekt in dieser Form geplant und realisiert hat, ist unter anderem auch aus der Verbindung mit der Westsächsischen Wohn-Baugenossenschaft Zwickau zurückzuführen, mit der man in regem Erfahrungsaustausch steht. Dadurch ist auch ein erster Kontakt zu den Kollegen der Westsächsischen Hochschule Zwickau entstanden. Wolfgang Kastners Wunsch war es, von den Erfahrungen der Experten beim geplanten Projekt im Wiesengrund zu profitieren. Gemeinsam mit Professor Teich, der sich an der Hochschule intensiv mit den angesprochenen Fragen beschäftigt, fuhr er nach Dresden zur sächsischen Aufbaubank, um das Projekt vorzustellen. Dort stieß man rasch auf offene Ohren und konnte günstigere Konditionen bei der Finanzierung erreichen. Wichtig in diesem Zusammenhang aber sei, so Kastner, dass das gesamte Projekt unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten geplant und realisiert wurde und keinerlei Zuschüsse geflossen seien. Der Vorstandvorsitzende sieht das Projekt als Referenz für künftige Sanierungen, insbesondere Plattenbauten aus den achtziger Jahren, die sich seiner Überzeugung nach perfekt dafür eignen: „Auch wenn der Plattenbau von vielen schlecht geredet wird, bildet er, wie unser Projekt beweist, eine ideale Grundlage, modernen und bezahlbaren Wohnraum unter Einbeziehung innovativer Technik zu gestalten.“ Für die technische Umsetzung sorgte maßgeblich Matthias Zimmermann. Sein 2009 gegründetes Unternehmen engagiert sich sehr stark im Bereich der Gebäudetechnik. Auf die technischen Details des Projektes angesprochen, entgegnet er: „Installiert wurde eine KNX-Anlage, mit deren Ausführung ein ortsansässiger Elektrofachbetrieb beauftragt wurde. Die Anlage umfasst die wesentlichen Funktionen, die für ein komfortables Wohnen erforderlich sind. Dazu gehört eine Temperaturregelung, bei der man mit klassischen, konventionellen Tastern Sollwerte einstellen kann.“

Bei der Planung legte der Systemintegrator ein besonderes Augenmerk auf die Wirtschaftlichkeit und versuchte die KNX-Technik nach Möglichkeit immer mit konventionellen Geräten zu koppeln. So wurden beispielsweise keine hochwertigen Tastsensoren eingebaut. Auch die Temperatur lässt sich nicht über integrierte Displays ablesen, sehr wohl aber über ein iPad oder iPhone. Realisiert wurde eine Tag- und Nacht- bzw. Kommen- und Gehen-Schaltung, das heißt bei Anwesenheit von Personen in der Wohnung werden die Räume auf einen „Komfortzustand“ gesetzt. Dann sind alle Steckdosen betriebsbereit und die Temperatur wird auf einen vordefinierten Sollwert gebracht. Verlässt ein Mieter die Wohnung oder geht schlafen, kann er über einen einzigen Tasterdruck die Wohnung in eine Art Stand-by-Modus bringen.

In diesem Fall wird die Temperatur je nach Wunsch um drei oder vier Kelvin abgesenkt, und die Steckdosen werden stromfrei geschaltet. Dabei kann der Mieter selbst wählen, ob und falls ja, welche Steckdosen weiterhin aktiv bleiben sollen. Um den Bedienkomfort und die Orientierung zu erleichtern, wurde neben der Wohnungstür ein LED-Signal installiert, das sofort anzeigt, ob der aktive oder der Stand-by-Modus vorliegt. Diese Option werde, so Zimmermann, von den Bewohnern geschätzt, zumal sie auch für Sicherheit sorgt.

In das Sicherheitskonzept eingebunden wurden auch Rauchmelder, die über Binäreingänge auf die KNX-Anlage aufgeschaltet sind. Implementiert wurde außerdem die Funktion, dass bei geöffnetem Fenster die Heizkörper in den Frostschutzmodus gehen, was wesentlich zur Energieersparnis beiträgt. Für ein Mehr an Wohnqualität sorgt ein im Wohnzimmer installierter CO2-Sensor, der darüber hinaus auch die relative Luftfeuchte misst.

Selbst der Zugang zu moderner Medientechnik wurde bedacht. So gibt es ein hausinternes WiFi-Netz, das zehn in den Fluren installierte Access Points umfasst. Über dieses Netz hat jeder Bewohner die Möglichkeit, sich via iPad oder iPhone einzuloggen, um etwa die Sollwerte seiner Heizung zu verändern oder das Licht ein- oder auszuschalten. Somit steht jedem eine preiswerte Visualisierungslösung zur Verfügung. Interessant ist die auch die Möglichkeit, dass der Vermieter von seinem Büro aus einzelne Parameter in den jeweiligen Wohnungen verändern kann. Möchte beispielsweise ein Mieter andere Grundeinstellungen, genügt ein Anruf beim Vermieter und schon kann beispielsweise auf die Temperatureinstellungen für die jeweiligen Wohnräume per Fernwartung Einfluss genommen werden. Dass man sich konzeptionell sehr intensiv mit der realisierten Lösung auseinandergesetzt hat, beweist auch die Tatsache, dass man Netzwerk und Twisted Pair kombiniert hat. Dabei muss nicht jedes Gerät ein netzwerkfähiges sein. Im Feld bleibt man bei einer Zweidrahtleitung, was installationstechnisch am einfachsten ist; und in den Strängen fährt man mit Netzwerk, so dass man die einzelnen Einheiten über das Netzwerk verbinden kann.

Über den JUNG Facility-Pilot wurde die Möglichkeit geschaffen, gleichartige Stränge via Netzwerk zusammenzufassen. Die Visualisierungssoftware nimmt dann die Zuordnung der Gruppenadressen vor. Im Prinzip hat man einen Strang, den man projektiert und mit Adressen versieht. Dieser kann problemlos kopiert werden. Über die Visualisierung erfolgt die Zuordnung, das heißt welche Daten der jeweiligen Wohnung zugewiesen werden.
Das schafft die Voraussetzung dafür, ein solches Projekt mit geringem Aufwand jederzeit zu reproduzieren, um es für weitere Vorhaben zu nutzen.
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