Fragen an Prof. Werner Sobek

Oder warum Werner Sobek gerne in einer Seifenblase leben würde..

1. Gute Architektur sollte …
… die Menschen berühren.

2. Architekten sollten …

… gebaute Heimat schaffen.

3 Gibt es Gebäude, die bei Ihnen eine besondere Leidenschaft auslösen?

Zunächst sind das die Gebäude, für die ich Verantwortung trage. Ich sehe sie wie meine Kinder, die ich immer wieder besuche, um zu sehen, wie sie älter geworden sind. Wenn man viel Lebenszeit in die Schaffung eines Objektes investiert, dann wird dieses Objekt irgendwann Teil von einem selbst. Dann gibt es eine Reihe von Gebäuden, die für mich Anlass waren, mich dem Bauwesen zu widmen. Nicht unbedingt Vorbilder, denen es nachzueifern galt, sondern die ich zum Anlass genommen habe, über die Fragestellung insgesamt nachzudenken und eigene Lösungen zu finden.

4. Was war Ihr bislang größter Erfolg?
Ich weiß es nicht. Mir kommt es nicht auf Weltrekorde an, obwohl wir viele davon gebaut haben. Ich kann genauso viel Hingabe in das Design eines Türscharniers stecken wie in das Design einer Stadionüberdachung oder eines Hochhauses. Es geht darum, Dinge miteinander in Einklang zu bringen und vor der Gesellschaft – aber auch vor den Maßstäben, die man sich selbst steckt – die Verantwortung zu übernehmen.

5. Gibt es etwas, das Sie niemals bauen würden?
Wir haben eine ganze Liste an Dingen, die wir bei uns im Büro nie tun würden. Dazu gehört der Bau von Tierversuchsanstalten, Gefängnissen, etc.

7. Worin sehen Sie die künftigen Herausforderungen für Architekten?
Es gibt einige Phänomene, die wir in den Griff bekommen müssen: Wir verzeichnen nach wie vor einen starken Zuwachs der Weltbevölkerung - und damit einhergehend einen dramatischen Zuwachs an gebauter Umwelt. Wenn wir die jetzigen baulichen Zustände aufrechterhalten wollen, müssen wir bis im Jahr 2050 die heute existierende Welt noch zweieinhalb mal neu hinzubauen. Die Herausforderung liegt in der Bewältigung der Menge und in der Verantwortbarkeit des Baustoff- und Energiekonsums. Zudem haben wir auf der Welt dramatische Wohlstandsgefälle, die man auch mit Architektur dämpfen kann. Wenn wir eine globale Perspektive einnehmen, müssen wir uns überlegen, wie sich die Erderwärmung auf die Gestaltung von Architektur auswirkt. Ein europäisches Problem ist das Invertieren der Bevölkerungspyramide und des dadurch benötigten Pflegesystems. Da ist es allein mit Barrierefreiheit nicht getan. Es ist die Aufgabe der Stadtplaner, der Soziologen und der Architekten, diese Effekte, die sich heute klar am Horizont abzeichnen, in ihren Folgen zu antizipieren. Architektur ist immer eine Antizipation zukünftiger Zustände und die gebaute Antwort darauf.

8. Was raten Sie jungen Architekten?
Sich nicht so sehr an den jeweils aktuellen Heroen der zeitgenössischen Architektur zu orientieren, sondern die Fragen, die es zu fragen gilt, in unerbittlicher Klarheit zu stellen - und keine Ruhe zu geben, bis man eine Antwort hat. Damit schafft man eine Ausgangsbasis. Joseph Beys hat gesagt: „Man muss immer ausgehen, von dem was ist.“ Aber das „Was“ ist den meisten Menschen nicht klar. Hochschullehrer, die Medien und letztlich die Gesamtgesellschaft versagen in diesem Bereich komplett. Wir können von den Jungen nicht erwarten, etwas zu begreifen, das die Erfahrenen nicht begreifen wollen.
 
9. Wenn Sie sich einen Traum – ohne Baugenehmigung – erfüllen dürften: Was würden Sie bauen?
Eine thermodynamisch perfekte Seifenblase, also ein transparentes Nichts, in dem ich dann wohne. So wie Bertold Brecht in seiner Ballade von den Abenteurern geschrieben hat: „Schlendernd durch Höllen und gepeitscht durch Paradiese. Still und grinsend, vergehenden Gesichts. Träumt er gelegentlich von einer kleinen Wiese. Mit blauem Himmel drüber und sonst nichts.“

10. Wenn Sie nicht Architekt und Ingenieur geworden wären, was wären Sie heute?
Couturier für Damenbekleidung.

www.wernersobek.de/
Werner Sobek Stuttgart AG
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