Luxembourg

LIVING – Entwicklung einer politischen Haltung

Mit einem Ausländeranteil von 70% gilt Luxembourg als das europäische Einwanderungsland schlechthin. Das außergewöhnliche Bevölkerungswachstum des weltoffenen Großherzogtums, bedingt durch den dynamischen Arbeitsmarkt, hinterlässt jedoch erhebliche Spuren auf dem Wohnungsmarkt und die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum steigt stetig.
Die 12. JUNG Architekturgespräche – erstmals in Luxembourg – beschäftigten sich am 12. Oktober 2017 mit den aktuellen Herausforderungen des nationalen, aber auch des europäischen Wohnbaus. Simon Frommenwiler von HHF Architects aus Basel und Philippe Nathan von 2001 architecture Luxembourg präsentierten ihre Wohnbauprojekte und ideologischen Ansätze zur Verbesserung der Lebensqualität in den Großstädten. In der von Florian Hertweck moderierten Podiumsdiskussion wurde eines deutlich: Architekten müssen wieder politisch aktiv werden, die Gesellschaft durch Gestaltung verändern und der Öffentlichkeit eine klare Haltung vermitteln.

Vielfalt
Das Wohnen wird laut Simon Frommenwiler in Zukunft noch viel urbaner und der Wunsch nach dem Einfamilienhaus im Grünen immer geringer. Wohnen und Arbeiten werden näher zusammenrücken und neue soziale Typologien entstehen. Für diese Veränderungen werden intelligente und flexible Lösungen gebraucht, die gleichzeitig auf die steigende Ressourcenknappheit reagieren. Vom urbanen Loft auf dem Land, dem House H, bis zum Mix unterschiedlicher Wohnbautypologien mit innerstädtischen Gartenfächen, dem Jardin Métropole, präsentierte er eine Auswahl an Wohnbauprojekten seines Büros HHF Architects, die auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit dem Thema des individuellen, aber trotzdem flexiblen Wohnraums, umgehen.

Bewehrtes adaptieren
Angelehnt an die Großprojekte von Le Corbusier und Fernand Pouillon analysierte und hinterfragte Philippe Nathan in seiner Präsentation historische Wohnbautypologien und prüfte sie auf ihre Zukunftsfähigkeit. Durch die Entwicklung systemischer, transformierbarer Prototypen könne Architektur sehr vielfältig und flexibel auf differenzierte Ansprüche und den individuellen Ort reagieren. Um auf die Fragen der heutigen Zeit mit Architektur antworten zu können, bräuchte es engagierte Ansätze, die die Gesellschaft verändern. Er präsentierte die Wohnbauprojekte seines Büros 2001 architecture und seine damit verbundene politische Haltung.