Wien

LIVING – Verdichtung und Reduktion

Nicht nur in den europäischen Großstädten fehlt es an Wohnungen und freien Flächen. Durch stetiges Bevölkerungswachstum müssen sich Architekten und Planer einerseits mit dem Thema der Nachverdichtung auseinandersetzen, andererseits jedoch auf die Begrenztheit der Baumaterialien und Ressourcen reagieren. Gefordert wird nicht nur die Schaffung von Raum, denn individuelle Sehnsüchte der Nutzer erfordern individuelle Antworten an den Wohnbau von morgen, damit aus Wohnen nicht nur das reine Bewohnen, sondern ein qualitatives Leben wird.
Johannes Pilz von MVRDV Rotterdam und Werner Sobek von der Werner Sobek Group Stuttgart präsentierten bei den 12. JUNG Architekturgesprächen im AzW in Wien ihre Lösungsvorschläge für die zukünftigen Herausforderungen des internationalen Wohnbaus. Die anschließende Podiumsdiskussion, moderiert von Maik Novotny, stand ganz im Zeichen des Umgangs mit der Endlichkeit und rasanten Verknappung unserer Ressourcen.

Identified Living
Eine individuell auf den Nutzer ausgelegte Architektur – dafür steht das Rotterdamer Büro MVRDV. Wie sie diesen qualitativen Lebensraum von morgen entwickeln, präsentierte Johannes Pilz an den aktuellen Großprojekten im deutschsprachigen Raum. Der Entwurf zum Wiener „Turm mit Taille“ besticht vordergründig durch seinen respektvollen Umgang mit den umliegenden Gasometern. Um ein Maximum an Sonnenlicht in jedem Geschoß zu gewährleisten, erhielt das Hochhaus simplerweise eine bauliche Taille. In dem Großprojekt „Benjamin Franklin Village“ in Mannheim bilden die Wohnhochhäuser entlang der Begegnungsachse den Schriftzug „HOME“ und schaffen so eine individuelle Identität. „Traumhaus 2.0“ definiert den Fertighausbau neu, indem ganz individuelle Fertighaustypen entwickelt wurden, die mit einfachen Mitteln an die persönlichen Wünsche der Nutzer angepasst werden können – für ein Maximum an Lebensqualität.

Recycling
Werner Sobek präsentierte die Ansätze seines Büros für den Wohnungsbau von morgen und vertiefte seinen Standpunkt zur Recyclebarkeit von Architektur. Sein interdisziplinärer Ansatz vertritt ein energiesparendes Bauen und den völligen Verzicht auf fossilbasierte Energie. Diese Ziele müssen jedoch erreicht werden, ohne dass auf einen High-end-Standard verzichtet werden muss. Durch industrielle Vorfertigung und individuelles Zusammenfügen auf der Baustelle können Ressourcen geschont und innovative Baumaterialien zur Anwendung kommen, ohne auf den individuellen Entwurf verzichten zu müssen. Mit seinem eigenen Wohnhaus R128 entwickelte er bereits im Jahr 2000 ein vollverglastes Gebäude, das sich energetisch selbst versorgt. Mit dem Aktivhaus B10 ging er einen Schritt weiter und realisierte ein vollständig recyclebares Wohnhaus, das doppelt so viel Energie erzeugt, wie für die Versorgung benötigt wird.