Köln

LIVING – wie wollen wir wohnen?

„Verdichtung der Stadt, Gentrifizierung, Mobilität, Integration von Wohnen und Arbeiten, Segregation durch energetische Sanierung, Kosten, Identifikation und Heimat!“ All diese Faktoren beherrschen die Diskussionen um das Thema Living. Dabei streben die Meinungen zwischen den Nutzern und den Architekten oftmals stark auseinander.
Wo sich die Nutzer – durch mangelnde Architekturvermittlung – auf das „bekannte Einfamilienhaus im Grünen" verlassen, versuchen Architekten innovativ auf die Bedürfnisse der sich verändernden Gesellschaft einzugehen, sei es beispielsweise durch multifunktionale Grundrisse oder Begegnungsflächen zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls. Fakt ist, dass dem Architekten dadurch weitaus mehr gesellschaftliche Verantwortung auferlegt wird, als die reine Begleitung des Bauprozesses von Phase „0“-9.

Den Fragen „Wer wohnt?“ und „Wie wohnt man?“ gingen Julian Weyer vom dänischen Büro
C.F. Møller und Prof. Ritz Ritzer von bogevischs buero aus München bei den 12. JUNG Architekturgesprächen am 11. Juli 2017 in Köln auf die Spur. In der anschließenden Podiums-
diskussion, moderiert von Boris Schade-Bünsow, widmeten sie sich den Themen urbanem Denkens und dem gemeinschaftlichen Wohnen.
Boris Schade-Bünsow
Chefredakteur der bauwelt, Berlin

Partizipation bildet Gemeinschaft
Für das Projekt wagnisART verfolgten bogevischs buero architekten und stadtplaner über den gesamten Bauprozess das Prinzip der Partizipation. Noch vor dem ersten Entwurf erarbeiten sie in Workshops mit allen zukünftigen Bewohnern gemeinsam Konzepte, die dem Nutzer – abseits der bekannten Strukturen – neue Vorstellungen von Wohnen vermittelten. Einerseits schafften sie so ein intensives Zusammengehörigkeitsgefühl der Bewohner untereinander und vermittelten andererseits neue Sichtweisen auf Architektur, die nicht nur die eigenen vier Wände betrachtet, sondern auch den Blick auf das Gegenüberliegende, das Gemeinschaftliche und den Begegnungsraum schärft.
Prof. Ritz Ritzer
bogevischs buero
München

Von der Gleichheit zur Individualität
In Dänemark wird das Thema der Architektur als politisches Mittel eingesetzt, so dass die Gesellschaft viel stärker für architektonisches Denken sensibilisiert ist. Das Büro C.F. Møller versucht diese skandinavischen Ideologien und Qualitäten in seinen Entwürfen methodisch umzusetzen und dadurch zeitgemäße Wohnarchitektur zu entwickeln. Bei dem Projekt SILOETTEN beispielsweise, wurde ein ehemaliges Silo als Kerngerüst verwendet, an das differenzierte Boxen angehängt wurden. So entstand ein Hochhaus, bestehend aus unterschiedlichen Einfamilienhausboxen, mit den Qualitäten eines städtischen Komplexes mitten auf dem Land. Den sozialen Wohnungsbau der Zukunft entwickelte das Büro im Rahmen eines Wettbewerbs für die HSG, als gestapelten Holzbau über 34 Geschosse.
Julian Weyer
C.F. Møller
Aarhus

Vertikaler Nutzungsmix
Als Newcomer präsentierte Laura Freiling ihren Entwurf „The Augmented Plane“, mit dem Sie sowohl den 1. Preis des WAward 2015, als auch den 1. Preis beim competition campus 2016 in der Kategorie Absolventenarbeiten gewann. Ihre neu definierte Gebäudetypologie interpretiert das Thema Wohnen als vertikale Kompaktstadt und vereint die Qualitäten einer gesamten Stadt innerhalb eines Gebäudes.
Laura Freiling
Studio Olafur Eliasson
Berlin