Fragen an Michael Anhammer

Oder warum Architektur für Michael Anhammer kein schwarz angezogener Mann mit großem Ego ist.

1. Gute Architektur sollte …
… den Menschen dienen.

2. Architekten sollten …
… zuhören können.

3. Gibt es Gebäude, die bei Ihnen eine besondere Leidenschaft auslösen?
Sicher. Mich faszinieren z.B. die Alhambra in Granada oder die Hagia Sophia in Istanbul. Zwei architektonisch historische Orte, die eine Spiritualität in sich tragen. Dann kann ich mich auch für Gebäude begeistern, die Kollegen gebaut haben. Ich bemühe mich den Neid und die Eifersucht im Zaum zu halten, denn manchmal ist es sehr beeindruckend wie hoch die Latte gelegt wird. Delugan Meissl beispielsweise machen zwar ganz andere Architektur als wir, aber sie arbeiten auf einem unheimlich hohen Niveau und schaffen extrem spannende Orte. Als eigenes Beispiel fasziniert mich immer wieder ein ganz kleines Projekt, bei dem wir in einer historischen Villa eine Wand entfernt und dadurch den Blick auf den Apfelbaumbestand freigelegt haben, in dem der Bauherr bereits als kleiner Junge gespielt hat. Es sind vielleicht nicht immer die spektakulärsten Antworten, aber sehr emotionale, die mich faszinieren.

4. Wovon lassen Sie sich inspirieren?

Das Wichtigste ist manchmal einfach planlos durch die Gegend zu streifen und die Umwelt aufzunehmen. Das ist natürlich nicht immer einfach. Je älter man wird, desto mehr denkt man, seine Zeit besser durchtakten zu müssen. Die spannendsten Momente haben aber meist nichts mit der Arbeit zu tun. Man schaut sich Orte an und nimmt Atmosphären auf, wodurch man dann wieder kreativ wird.

5. Was war bislang Ihr größter Erfolg?
Architektur ist mittlerweile Teamarbeit und nicht mehr ein schwarz angezogener Mann mit einem großen Ego, der einen Strich zeichnet und dann funktioniert alles, wie es z.B. bei Hans Hollein oder Gustav Peichl war. Ein Team zusammen zu halten und den einzelnen Leuten trotzdem Raum zu geben ist nicht einfach. Ich bin sehr stolz darauf, dass es uns jetzt gelungen ist aus den zwei autark funktionierenden Architekturbüros „Franz“ und „Sue“ ein gemeinsames Büro „Franz&Sue“ zu schaffen. Und wenn zwei Teams durch eine solche Hochzeit zusammenfließen und ein Büro mit fünf Partnern und 35 Mitarbeitern bilden ist das ein nachhaltiger Erfolg.

6. Welches Projekt steht bei Ihnen als nächstes an? Woran arbeiten Sie gerade?
Das schöne an unserem Büro ist, dass wir relativ breit aufgestellt sind. Wir sind gerade dabei die neue U-Bahnlinie U5 in Wien zu planen und dann stehen wir zudem kurz vor der Eröffnung des zentralen Lagers aller Kulturgüter Tirols. Alle Landesmuseen haben ihre Lager zusammengefasst als „Schatzkiste Tirols“ – Ein Tresor inklusive Forschungsstätten. Dann beschäftigt uns ein großes Projekt in der Salzburger Innenstadt. Ein historisches Justizzentrum, das so umstrukturiert werden muss, dass es auf die heutige demokratische Rechtsprechung reagieren kann, und das mit den Auflagen einer Stadt, die extrem konservativ ist.

7. Welche Rolle spielen Wettbewerbe bei Ihnen im Büro?
Eine sehr zentrale Rolle. Unser Büro sagt: „Wir wollen Ideen entwickeln!“. Ideen entwickeln kann man, wenn es um große Projekte geht und ganz selten im Direktauftrag. Da muss man beweisen, dass es die beste Idee ist. Insofern würde es unser Büro nicht geben, wenn wir nicht über das Wettbewerbswesen Akquise betreiben würden. Es ist eine Dauerbeschäftigung: Angefangen bei der Bewerbung um die Teilnahme, über die Ausarbeitung bis hin zur Analyse warum man nicht gewonnen hat. Das nimmt sicher 25 % der Bürozeit ein.

8. Was bedeutet für Sie Zuhause?
Zuhause ist ein Ort der Geborgenheit. Zuhause hat auch etwas mit Freiheit zu tun. Eine Villa, in der der Planer alles perfekt arrangiert hätte und ich es nicht weiterentwickeln dürfte, wäre für mich der Supergau. Mein Zuhause ist außerdem etwas, wo ich meine Erinnerungen sortieren kann. Ein Ort, an dem ich tun kann, was ich möchte.

9. Von wem hätten Sie sich gern Ihr Haus bauen lassen?
Ich würde es mir von meinem Kollegen bauen lassen: Robert Diem. Er war vorher ein Teil von „Franz“ und ist jetzt einer meiner „Franz&Sue“ Partner. Er hat eine ganz feine, schöne Art Architektur zu denken, sodass sie gut funktionieren. Ihn würde ich fragen.

10. Was raten Sie jungen Architekten?
Jungen Architekten rate ich, sich zu vernetzen. Es ist wichtig zusammen zu arbeiten. Für Architekten, die sich selbstständig machen wollen, ist es wichtig, Ausdauer als Tugend zu sehen. Es gibt ganz selten Jemanden, der ganz schnell Erfolg hat. Alle Personen die ich kenne, die dauerhaft erfolgreich sind, haben sehr viel dafür gearbeitet. Zudem rate ich ihnen, ganz entspannt und zuversichtlich zu sein.

11. Wenn Sie nicht Architekt geworden wären, was wären Sie heute?
Ich wäre Hochspannungstechniker, der die europäischen Hochleistungstrassen dimensionieren würde. Das ist mein ursprünglicher Beruf, den ich in der Schule gelernt habe.

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Franz&Sue
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