Frankfurt

DIGITALES BAUEN – Architektur im Wandel

Die Nutzung digitaler Methoden und Technologien im Bauprozess gewährleistet Kostentransparenz, Effizienz und Termintreue. Tatsächlich sind dies jedoch nur positive Begleiterscheinungen, denn der digitale Entwurfsprozess bietet ganz neue Möglichkeiten für die Arbeitsweise von Architekten und Ingenieuren. Aber sind die Büros bereits jetzt darauf vorbereitet und können die neuen Möglichkeiten auch wirklich effizient nutzen? Ist das digitale Denken bereits in unseren Köpfen angekommen?
Florian Kohlbecker, Wolf Mangelsdorf und Achim Menges denken bereits jetzt digital und präsentierten ihre zeitgenössischen und futuristischen Projekte am 20. April 2017 in der Jugend- und Kulturkirche Sankt Peter auf den 12. JUNG Architekturgesprächen in Frankfurt am Main. In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Sie mit Boris Schade-Bünsow, wo uns die digitale Reise tatsächlich hinführen könnte, wenn wir die Tools richtig zu nutzen lernen.
Boris Schade-Bünsow
Chefredakteur Bauwelt
Berlin

Bauen wir überhaupt digital?
Das größte Problem von BIM ist für Florian Kohlbecker, dass viele Dinge über das digitale Bauen gesagt werden, die so noch gar nicht funktionieren. In seinem Büro Kohlbecker Gesamtplan GmbH nutzen sie digitale Arbeitsweisen um architektonische Formen zu generieren und Arbeitsschritte zu vereinfachen, wie beispielsweise für die Produktionsstätte der Canyon Fahrräder oder den Goyo Cashmere Showroom, bei dem sie ganze Bauteile durch digitale Prozesse vorfertigen lassen konnten. Die wirklich hundertprozentige Ausschöpfung der Möglichkeiten von digitalen Tools, findet bei ihm jedoch im Bereich der Filmarchitektur und Videospielszenografie ihre Anwendung.
Florian Kohlbecker
Kohlbecker Gesamtplan GmbH
Gaggenau

Optimierung von Utopien
Wolf Mangelsdorf und sein Team von BuroHappold aus London nutzen die digitalen Werkzeuge um komplexe architektonische Utopien auf der Baustelle realisieren zu können. In Kooperation mit Zaha Hadid Architects konstruierten sie das Tragwerk für den City of Dreams Tower in Macau, bei dem alle Teile des Tragwerks digital berechnet wurden. Durch die Vorfertigung aller individuellen Bauteile können diese jetzt auf der Baustelle hundertprozentig genau zusammengefügt werden und sich zu einem eindrucksvollen sicheren Konstruktionssystem zusammensetzen: Ein konzeptionell starkes Gebäude, das nur durch digitale Prozesse umsetzbar wird!
Wolf Mangelsdorf
BuroHappold Engineering
London

Wir brauchen neue Entwurfsprozesse!
Für Achim Menges wurden die konventionellen Entwurfsprozesse lediglich digitalisiert, aber die Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet, bislang nicht ausgeschöpft. Mit seinem Büro und dem universitären Background seines ICD Lehrstuhls an der Universität Stuttgart geht er einen Schritt weiter und forscht an der Wechselwirkung zwischen Entwurfskompetenz und digitalem Arbeiten. Mit der Natur als Vorbild entwickeln sie tragende Strukturen, wie sie beispielsweise im Fasercarbonpanzer von Insekten vorkommen. Digitale Prozesse werden in die Entwicklung leichter Tragwerke integriert und bestimmen damit maßgeblich den Entwurfs- und Formfindungsprozess, wie beim Elytra Filament Pavilion, der derzeit auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein zu sehen ist.
Achim Menges
ICD Uni Stuttgart/Menges Scheffler Arch.
Stuttgart/Frankfurt

Modularer Leichtbau
Johanna Beuscher und Sascha Biehl von der Frankfurt University of Applied Sciences präsentierten als Newcomer ihren Innovationspreis des competition campus Wettbewerb 2016. SPACERFABRICPAVILION ist der 1:1 Prototyp der weltweit ersten selbsttragenden textilen Kuppelskulptur. Die aus einer Blütenstruktur modular zusammengesetzte parametrische Form aus fabric foam wurde von einer Gruppe Studenten realisiert und war als räumliche Installation ein Semester auf dem Campus der Hochschule erlebbar.
Johanna Beuscher
Frankfurt University of Applied Sciences
Sascha Biehl
Frankfurt University of Applied Sciences

And the winner is…
Im Rahmen der Veranstaltung fand die Preisverleihung des VFA Studentenwettbewerbs 2016/2017 statt. Nick Förster und Janina Sieber von der TU Berlin/TU München sowie Pia Gesenhues und Lisa-Marie Schwuchow von der Leibniz Universität Hannover erhielten für ihre Ideen zum „Dynamic Workplace“ jeweils einen ersten Preis.