Hamburg

POSITIONEN – Fünf junge Sichtweisen

Jung, dynamisch, erfolgreich? - An inspirierenden Ideen mangelt es der jungen europäischen Architekturszene nicht. Der Weg eines jungen Architekten bis zur Realisierung des ersten Bauprojekts ist jedoch durch immer größere Herausforderungen und gesetzliche Hürden gezeichnet, die man nur mit Ausdauer und Leidenschaft für die Profession meistern kann.

Unter dem Motto „Positionen“ präsentierten die 12. JUNG Architekturgespräche in Hamburg am 6. April 2017 in der Freien Akademie der Künste fünf junge internationale Büros, die es geschafft haben, sich trotz Widerstände am Markt zu behaupten. Markus Bonauer, 2D+ (Berlin), Türkan Dagli, dagli+ atelier d’architecture (Luxembourg), Chris Neuburger, nbundm* (Ingolstadt), Christian Olaf Schmidt, spa. (Frankfurt am Main) und Tim Seidel, BHSF (Zürich) präsentierten ihre persönliche Sichtweise auf die Herausforderungen zeitgenössischem Architekturschaffens.
„Bauen aber wie?“
Markus Bonauer positionierte die Projekte seines Büros in einer Matrix von unbuild zu build und XS bis XL und demonstrierte anhand des Projektportfolios von 2D+ die drei Wege der Akquise: Vom kleinen „Direktauftrag“ des Haus Wandlitz, über eine selbstinitiierte „Machbarkeitsstudie“ zum Sanierungskonzept Platte + in Berlin bis hin zum gewonnenen „Wettbewerb“ des Besucherzentrums Berliner Bundestag.
Markus Bonauer
2D+ Architekten
Berlin

„Form follows money?“
Türkan Dagli untermauerte ihr Architekturverständnis durch philosophische Thesen und manifestierte diese an den Projekten ihres Büros dagli+ atelier d’architecture. So wurden für den Klinikbau belle epoche verschiedene Epochen analysiert und zeitgenössisch interpretiert. Der Luxembourgische Pavillon für die EXPO 2020 in Dubai stellt die lokale Zeltarchitektur auf Augenhöhe mit europäischen Stadtsilhouetten und das Headoffice der AKBANK in Amsterdam spiegelt die Fusion von Corporate Identity und Design wider.
Türkan Dagli
dagli+ atelier d´architecture
Luxembourg

„Geschichtete Geschichte!“
Die Geschichte von nbundm* begann ganz klassisch mit dem Garagenneubau von Chris Neuburgers Großvater. Die Haltung des Büros besticht durch Zurückhaltung und eine zeitgenössische Reaktion auf Augenhöhe mit dem Bestand. So wurde das Vorgefundene auf dem Gelände des neuen Kulturzentrums Ingolstadt konsequent in seiner Materialität weiterentwickelt. Ein spannender Direktauftrag entwickelte sich aus dem Wunsch einer kleinen arabisch islamischen Gemeinde im Hinterhof einer Autowerkstatt eine Moschee zu errichten. Die Frage bleibt jedoch noch offen: Ist Bayern im Jahr 2017 dafür bereits bereit?
Chris Neuburger
nbundm* Architekten BDA
Ingolstadt

„Beginnt alles mit einer leeren Seite?“
Christian Olaf Schmidt demonstrierte den Schaffensprozess eines Architekten an den Illustationen „Sunday Sketching“ von Christoph Niemann. Auf der Suche nach der Identität des Ortes betonte er, dass „die Seite nie leer ist“, sondern an jedem Ort etwas Vorzufindendes – eine Inspirationsquelle – existiert. Auf der „Suche nach dem Glück“ begann die Story des Verwaltungsgebäudes the brick 42b beispielsweise mit einem kleinen Relikt einer Ziegelmauer auf einem leeren Baugrundstück in Frankfurt nach Main.
Christian Olaf Schmidt
spa. schmidtploecker architekten
Frankfurt am Main

„Architektur darf Spaß machen!“
Mit dem Magazin „CAMENZIND“ zeigten BHSF Architekten, dass Architektur und Kommunikation voneinander profitieren. Kurz nach ihrer Bürogründung initiierten sie das sogenannte „Werkstattgespräch“ in ihren Büroräumlichkeiten und tauschen sich seitdem in regelmäßigen Abständen mit der Züricher Architekturszene aus. Das Büro empfindet jede Bauaufgabe unabhängig der Größe als spannend: So sind aus einer Sauna auf Rädern bis hin zum Rahmen- und Entwicklungsplan für eine Müllverbrennungsanlage ein architektonisches Erlebnis.
Tim Seidel
BHSF Architekten
Zürich