Köln

BauKultur: Spiegel unserer Gesellschaft?

BauKultur ist Teil unserer Kultur und damit ein gesellschaftliches Thema, das nicht nur Architekten betrifft. Die Definition des Begiffs BauKultur ist jedoch in vielerlei Hinsicht auslegbar und durch individuelle Erfahrungen und Emotionen geprägt. Die 11. JUNG Architekturgespräche in Köln widmeten sich am 22. September 2016 den persönlichen Sichtweisen zum Thema BauKultur.

Prof. Dr. Matthias Castorph (Goetz Castorph Architekten und Stadtplaner), Prof. Ivan Reimann (Müller Reimann Architekten) und Michael Arns (ARNSArchitektenBDA) diskutierten in der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Christof Bodenbach (Pressesprecher der Architekten und Stadtplanerkammer Hessen), über die Qualitäten von Baukultur und ihrer öffentlichen Verantwortung.
Christoph Bodenbach, Dipl.-Ing.
Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen

bauen – forschen – denken – reden
Für Matthias Castorph wird BauKultur in erster Linie von Menschen bestimmt, von Akteuren – nicht nur Architekten – die dazu beitragen, dass Baukunst entsteht. Anhand eigener Projekte demonstrierte er, dass BauKulktur keine Frage des Maßstabs ist, sondern eine Mischung aus Vorgefundenem, den Bedürfnissen der Nutzerzielgruppe und der Zeit, in der das Gebäude entsteht.

Das Projekt Jugendzentrum Nepomuk am Starnberger See wurde als nutzungsneutrales Gebäude entwickelt, so dass die Räumlichkeiten sowohl den Jugendlichen heutzutage, als auch in der Zukunft einen flexiblen Aktivitätsfreiraum für Begegnungen und zur Kommunikation bieten. Durch die Sanierung des Ledigenheims leistet das Büro Goetz Castorph derzeit einen Beitrag zur Münchner BauKultur indem sie die historische Details innerhalb des Gebäudes wiederbeleben. In dem Wohnhaus für eine Musikerfamilie durften sie kleinstmögliche Details, wie eine Orgel samt der Registerknöpfe individuell gestalten.
Prof. Dr. Matthias Castorph
Goetz Castorph Architekten und Stadtplaner, München

Die Kultur des Bauens
Für Ivan Reimann wird BauKultur durch unsere Gesellschaft geprägt. Verändert sich unsere Lebensweise, ändert sich mit ihr auch die BauKultur. Steigerung und Wachstum prägen unsere momentane Alltagskultur, was sich für ihn auch in der derzeitigen BauKultur widerspiegelt: Gebäude werden als zu vermarktendes Konsumgut angesehen und Architekten entwerfen heute Lifestyles.

Wie das Büro Müller Reimann den baukulturellen Anspruch aufrechterhält präsentierte Reimann anhand ausgewählter Projekte, wie dem „Orchester der Ideen“ – der Werbeagentur Scholz & Friends – am Hackeschen Markt in Berlin, dem technischen Rathaus in Bielefeld oder der Restaurierung des denkmalgeschützten Anatomischen Theaters von Carl Gotthard Langhans.
Prof. Ivan Reimann
THOMAS MÜLLER IVAN REIMANN ARCHITEKTEN, Berlin

Stadt versus Land
Michael Arns fügte in der Podiumsdiskussion den Aspekt der BauKultur im ländlichen Umfeld hinzu. Zu Baukultur gehören für ihn neben Architektur genauso die Ingenieurbaukunst, die Landschaftsarchitektur, der Denkmalschutz, die Verfahrenskultur, aber in erster Linie die Menschen und Bürger.
Michael Arns, Dipl.-Ing.
ARNSArchitektBDA, Siegen
und Vizepräsident der Architektenkammer NRW