Foto: © Martin Stollenwerk - „Wohn- und Gewerbesiedlung Kalkbreite, Zürich“

Fragen an Hubertus Adam

Oder wie Hubertus Adam Architektur an eine breite Öffentlichkeit kommuniziert.

1. Gute Architektur sollte …

Das ist eine der kompliziertesten Fragen überhaupt (lacht). Gute Architektur sollte meiner Meinung nach mehr sein, als rein pragmatischer Raum. Sie sollte ein utopisches Potenzial haben. Sie sollte das Potenzial haben, zu einer Veränderung und Verbesserung unserer gebauten Umwelt beizutragen.

2. Architekten sollten …

… gute Architektur entwickeln, entwerfen und Mut haben, sie umzusetzen im Zusammenspiel mit ihren Auftraggebern.

3. Gibt es Gebäude, die bei Ihnen eine besondere Leidenschaft auslösen?

Da gibt es natürlich ganz viele. Architekturhistorisch könnte ich jetzt anfangen im früheren letzten Jahrhundert. Es gibt grandiose Wohnbauten aus den 20er und 30er Jahren. Aber auch heutzutage gibt es wunderbare, beeindruckende Architektur. Das Schulhaus von Christian Kerez in Zürich Leutschenbach: ein herausragendes Bauwerk. Eine Schule, die mit den klassischen Konventionen bricht.

4. Was bedeutet für Sie Zuhause?

Zuhause bedeutet für mich, einen Ort zu haben, der so etwas wie eine Lebensbasis ist. Ich bin viel unterwegs. Ich lebe zwar in Zürich, aber bin fast die Hälfte des Jahres gar nicht hier. Für mich kann auch unterwegs das Zuhause sein. Ich fühle mich auch in Städten zu Hause, die ich vielleicht erst drei- oder viermal besucht habe. In denen ich einfach weiß, wie die Stadt funktioniert. Zuhause ist dort, wo ich abschalten kann und mich wohlfühle. Dort, wo ich mich nicht erst neu orientieren muss.

5. Von wem würden Sie sich gerne Ihr Haus bauen lassen?

Ein eigenes Haus ist gar nicht meine absolute Form. Für mich sind andere Wohnformen eigentlich interessanter. Aber wenn eigenes Haus, dann müsste es etwas Spezielles sein. Ein Haus mit vielen Fenstern und einem offenen Grundriss funktionierte für mich nicht. Ich bin leidenschaftlicher Büchersammler: Ich brauche viele Wände und nicht überall Tageslicht. Vermutlich würde ich einem jungen Architekturbüro, das ich für talentiert halte, einen Auftrag geben.

6. Sie sind von Deutschland in die Schweiz ausgewandert. Welche Vorteile bietet die Schweiz in architektonischer Hinsicht?

Es gibt hier in der Schweiz eine Tradition, die relativ ununterbrochen ist. Dazu kommt natürlich, dass die Schweiz im vergangenen Jahrhundert einen Sonderweg eingegangen ist. Der zweite Weltkrieg hat hier nicht so viel umgewälzt, wie in anderen Ländern. Hierzulande herrscht auch ein größeres Bewusstsein in der Gesellschaft für die Qualität von Architektur. Das allgemeine Bewusstsein für Architektur ist hier in der Schweiz größer.

7. Glauben Sie, dass es Architekten in der Schweiz einfacher haben als in Deutschland?

Ich würde nicht sagen, dass sie es grundsätzlich einfacher haben. Wenn man sich jedoch anschaut, wie sich hier in den letzten Jahren auch gerade junge Büros etablieren konnten, glaub ich schon, dass es einfacher ist. Man traut ihnen in der Schweiz am Beginn Ihrer Karriere mehr zu und man hat hier mehr Mut, auch Wagnisse einzugehen. Ich möchte das jetzt nicht glorifizieren, aber ich denke schon, dass der Bürostart einem jungen Architekten hier in der Schweiz leichter fällt als in Deutschland. Es kommen ja auch viele junge deutsche Architekten in die Schweiz. Dazu kommt natürlich, dass die Schweiz ein sehr wohlhabendes Land ist. 
Ausstellungsmacher, Architekturkritiker, Buchautor
Schweiz