Foto: © Martin Stollenwerk - „Wohn- und Gewerbesiedlung Kalkbreite, Zürich“

Fragen an Patrick Gmür

Oder warum für Patrick Gmür hartes Training wichtig ist.

1. Gute Architektur sollte …

… gut sein (lacht)!

2. Architekten sollten …

… kreativ, ökonomisch, sozial denkend und innovativ sein.

3. Welches Projekt ist für die Stadt Zürich derzeit das Größte bzw. das Wichtigste?

Das wichtigste Thema ist die bauliche Entwicklung nach innen. Zürich wächst; bis ins Jahr 2040 erwarten wir 80‘000 neue Einwohnerinnen und Einwohner. Die Stadt hat aber gleichzeitig kein freies Bauland mehr; neue Einzonungen sind auch kein Thema mehr. Somit ist der kommunale Richtplan derzeit das wichtigste Projekt, an dem das Amt für Städtebau arbeitet. Dieses Planungsinstrument schafft die räumlichen Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung der Stadt Zürich.

4. Was bedeutet für Sie Zuhause?

Das ist eine anspruchsvolle Frage! Zuhause ist da, wo ich meine Heimat habe und die Erinnerungen des eigenen Lebens sammle. Es ist der Ort, an dem ich mich wohlfühle, wohin ich mich zurückziehen kann, zu dem ich Freunde einlade. Und zum Zuhause gehört auch die eigene Wohnkultur; damit meine ich, wie ich leben will und mit welchen (ausgewählten) Wohngegenständen ich mich umgebe, damit ich mich zuhause fühle. Die Architektur sollte dabei eher zurückhaltend sein. Mich würde es stören, wenn ich ein Haus oder eine Wohnung hätte, in der ich jeden Tag den Architekten spüre, der mir vorgibt, was ich räumlich empfinden sollte.

5. Von wem hätten Sie sich gerne ihr Haus bauen lassen?

Wenn Bob Dylan Häuser bauen würde, dann wünschte ich mir ein Haus von ihm. Als Architekt habe ich das Privileg, dass ich für mich selbst bauen kann – und mir somit einen Wohnraum schaffen konnte, der mir wie eine maßgeschneiderte Kleidung auf den Leib passt.

6. Welche Rolle spielen für Sie Wettbewerbe in Ihrer Funktion als Stadtplanungsdirektor?

Der Wettbewerb ist ein ganz wichtiges Instrument für die Sicherung der architektonischen und städtebaulichen Qualität. Es sind fast immer Wettbewerbe und Studienaufträge – generell die Konkurrenzverfahren – aus denen die beste Lösung hervorgeht. Die beste Lösung ist nicht immer nur die architektonisch oder städtebaulich beste Variante, sondern auch die ökonomischste und sozial verträglichste. Im Konkurrenzverfahren hat man die Möglichkeit, all diese Fragen zu diskutieren.

7. Was unterscheidet die Züricher Wettbewerbskultur von anderen?

Wir haben eine rege Wettbewerbskultur in Zürich, die in der Schweiz, aber auch im Ausland ihresgleichen sucht. Das ist auch mit ein Grund, warum es in Zürich so viele Architekturbüros gibt, es sind zirka 1600. Genauso wichtig ist aber, dass wir offene Wettbewerbe machen, damit junge Architekten nach dem Studium sofort die Chance haben, sich an diesen Wettbewerben zu beteiligen und vielleicht auch zu gewinnen. Im Amt für Städtebau der Stadt Zürich haben wir zudem eine Architekturabteilung, die Architekturbüros nach einem bewährten „Best practice“ beim Bauen berät. Auch diese setzt sich für die Qualität der Architektur und der Stadtentwicklung ein.

8. Was würden Sie jungen Architekten raten?

Jungen Architekten gratuliere ich, weil sie einen unglaublich interessanten Beruf mit unglaublichen Chancen gewählt haben! Es ist eine Berufswahl, die es erlaubt, mit (oder dank) Leidenschaft, Glück und Können dem Leben einen (tieferen) Sinn zu geben. Ich würde den jungen Architekten raten, bei möglichst vielen Wettbewerbe mitzumachen. Einerseits, um zu gewinnen und ein Projekt zu realisieren, andererseits aber auch, um sich weiterzuentwickeln. Man kann es mit einem Sportwettbewerb vergleichen: Da ist es auch nicht so, dass man das erste Rennen gleich gewinnt, sondern eben hart trainieren muss, um die Medaille zu holen.

9. Wenn Sie nicht Architekt geworden wären, was wären Sie dann heute?

Ich glaube, ich wäre trotzdem Architekt geworden (lacht). Nein, dann wäre ich
Stadtplaner.
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