Foto: © Martin Stollenwerk - „Wohn- und Gewerbesiedlung Kalkbreite, Zürich“

Fragen an Mathias Müller

Oder warum Mathias Müller kein Diplomat ist.

1. Gute Architektur sollte …

… einen nicht indifferent lassen. Sie sollte entweder geliebt oder gehasst werden,
aber jemanden sicher nicht indifferent lassen.

2. Architekten sollten …

… versuchen, Spaß zu haben an ihrem Job. Sie sollten sich wirklich komplett in die Arbeit hineinstürzen. Sie sollten versuchen, etwas zu machen, das spezifisch ist. Etwas, das ihnen selbst entspricht. Sie sollten eine eigene Haltung entwickeln und nicht kopieren, sondern ihren eigenen Weg finden.

3. Welches Projekt steht als nächstes an? Woran arbeiten Sie gerade?

Das sind einige Projekte. Wir machen verschiedene Wohnbauten, wir machen eine Hochschule für Kunst. Dann sind es sehr viele Umbauten. Wir haben einen Wettbewerb gewonnen für ein größeres Museum in Basel – das naturhistorische Museum und das Staatsarchiv – eine hybride Nutzung von zwei Institutionen. Es sind viele verschiedene Projekte.

4. Was war Ihr bislang größter Erfolg?

Das kann man nicht so sagen. Jeder Erfolg ist schön. Ein Projekt, das uns natürlich sehr lange beschäftigt hat und das uns sehr wichtig war, ist das Toni Areal hier in Zürich. Das ist bislang unser größter Auftrag und auch einer der komplexesten.

5. Gibt es etwas, das Sie nie bauen würden?

Hmm, da müsste ich überlegen. Es gibt schon Sachen, die sehr wenig Spaß machen würden. Ich sag mal, vielleicht ein Gefängnis oder Sachen, die die Umwelt extrem kaputt machen würden. Sachen, die nicht an den Ort passen, für den sie gedacht sind. Aber generell birgt natürlich jede Bauaufgabe etwas Spannendes. Mir fällt da spontan eigentlich nichts ein.

6. Was bedeutet für Sie Zuhause?

Zuhause! Das bedeutet zuerst einmal nichts Architekturrelevantes. Zuhause ist da, wo ich jeden Abend schlafen gehe, wo meine Familie zuhause ist, meine vier Kinder und meine Frau. Das ist vielleicht im weiteren Sinne der Ort, wo ich mich kulturell zugehörig fühle. Das wäre die Schweiz, aber im weiteren Sinn Europa. Ich habe mit den Jahren festgestellt, dass ich z. B. kein Asiate bin und auch kein Amerikaner. Zuhause kann natürlich auch bedeuten, dass man sich irgendwo intellektuell zuhause fühlt. Zuhause kann der Beruf sein. Es können die Leute sein, die einem viel bedeuten.

7. Von wem würden Sie sich gern Ihr Haus bauen lassen?

Ich habe mir schon mein eigenes Haus gebaut. Das war durchaus auch eine schmerzhafte Erfahrung (lacht). Es hat irgendwann sogar auf meinen Kopf geregnet. Da hat meine Frau dann sehr gelacht, weil sie im Bett neben mir lag und nicht nass geworden ist. Aber wenn ich jetzt wählen dürfte, unbegrenzte Ressourcen hätte, und er noch lebte, würde ich John Lautner wählen. Ein fantastischer Architekt. Aber eigentlich bin ich total happy dort, wo ich jetzt wohne. Das Haus habe ich nicht selber gebaut und das ist ganz heilsam.

8. Welche Rolle spielen für Sie Wettbewerbe?

Der Wettbewerb ist für uns das wichtigste Akquisitionsinstrument. Wir bekommen keine Direktaufträge und akquirieren somit keine Arbeit ohne Wettbewerbe. Wir die Arbeit an Wettbewerben auch als eine Art Forschung am Projekt. Damit haben wir die Möglichkeit, Sachen ausprobieren und uns weiterzuentwickeln. Häufig werden wir mit unerwarteten Bauaufgaben konfrontiert, die wir zum ersten Mal machen. Der Wettbewerb wird so zu einer Art geschätzter Werkstatt. Es ist schön, wenn man teilnehmen darf und versuchen kann, das durchzusetzen, was man will. Das darf auch in die Hose gehen, man darf durchaus auch versagen. Wettbewerbe sind für uns sozusagen der Motor des Büros. Sie sind unsere zentrale Tätigkeit. Daniel und ich sind selbst auch sehr viel bei den Wettbewerben aktiv, diese Arbeit macht uns auch Spaß.

9. Was raten Sie jungen Architekten?

Das ist abhängig davon, wo sie hin wollen, was sie sich überhaupt für eine Tätigkeit vorstellen. Wir haben uns damals sehr schnell auf eine Stadt festgelegt und hatten damit sehr viel Glück. Zürich hat sich zu der Zeit sehr stark und positiv entwickelt. Wir haben eine eigene Vorlesungsreihe organisiert, zu der wir Kollegen zu uns in das Büro eingeladen haben. Am Abend wurden Tische und Stühle auf die Seite geschoben, Bier ausgeschenkt und jemanden gebeten, etwas zu erzählen. Das war einerseits wichtig, um Kontakte zu knüpfen und andererseits auch, um uns ganz verschiedene Herangehensweisen an Architektur zu zeigen. Ich würde einfach jedem raten, seinen eigenen Weg zu gehen. Sich selber zu fragen, wo man hin will und sich eine Strategie zurechtzulegen, die dem entspricht. Das Problem ist ja, dass man Tag und Nacht im Büro verbringt, zumindest in den ersten 10 Jahren. Da muss man sich die Situation so zurechtlegen, dass man Freude daran hat. Man muss es irgendwie genießen.

10. Wenn Sie nicht Architekt geworden wären, was wären Sie dann heute?

Ich habe, bevor ich Architektur studiert habe, in Amerika Politologie und Wirtschaft studiert. Ich interessiere mich außerdem sehr für Sprachen. Mein Hobby ist Türkisch lernen. Ich wäre sicher gerne in den Bereich Politik oder fremde Kulturen gegangen. Ich habe mal überlegt, ob ich mich für eine diplomatische Laufbahn melden soll, habe dann aber schnell festgestellt, dass ich ungeeignet bin, da ich sehr undiplomatisch bin. Ich wäre von einem Fettnäpfchen ins nächste gestolpert. Aber vielleicht hätte ich internationale Beziehungen studiert.
EM2N | Mathias Müller | Daniel Niggli
Architekten AG | ETH | SIA | BSA

Josefstrasse 92
8005 Zürich
Tel.: +41 44 21560-10
Fax: +41 44 21560-11
em2n@em2n.ch