10 Fragen an Prof. Gerd Jäger

Oder warum Erfolg für Prof. Gerd Jäger immer nur wenige Sekunden anhält.

Gute Architektur sollte … ?

… den Menschen dienen. Ich sage bewusst dienen, denn Architektur hat primär eine dem Menschen dienende Funktion. Sie muss seinen Bedürfnissen genügen und seine Gefühlsebene erreichen.

Architekten sollten … ?

… sich ernst nehmen und die anderen ernst nehmen.

Welche Rolle spielen für Sie Wettbewerbe?

Eine sehr wichtige. Betrachtet man die drei freien Berufsgruppen mit Gebührenordnung – Architekten, Anwälte und Ärzte – dann ist der Wettbewerb das besondere Qualitätsverfahren, das uns als Architekten auszeichnet. Auch, dass wir die Lust verspüren, an Wettbewerben teilzunehmen, in Konkurrenz zu treten und an der besten Lösung zu arbeiten um die Qualität der gebauten Umwelt zu sichern.

Der größte Erfolg?

Eigentlich ist Erfolg immer nur der kurze Moment in dem man einen Wettbewerb gewonnen hat, weil er da noch diese Reinheit des Denkens hat. Das sind nur wenige Sekunden, dann ist man schon auf dem Weg zur nächsten Herausforderung. Dieses Gefühl, dass das, was man gedacht hat, die Anerkennung Dritter findet, die Ideen vermitteln kann und wenn man manchmal das Leuchten in den Augen der anderen sieht, dann ist das für mich der größte Erfolg.

Was war Ihr erstes Haus – Wann war das?

Mein erstes realisiertes Haus, ist mein eigenes. Am Anfang bin ich in eine kleine Wohnung eingezogen und habe immer weiter gebaut – und heute nach 22 Jahren kann ich sagen: „Es ist fertig!“ – Aber ich plane bereits einen Weiterbau. Bei baumschlager eberle gibt es ein wundervolles, realisiertes Projekt in Zürich – The Metropolitans. Zwei Hochhäuser, die eine 1:1 Übersetzung des Wettbewerbsentwurfs sind. Das ist fantastisch. Nach einem gewonnenen Wettbewerb in Deutschland kommt häufig als erstes die Frage: „Was können wir einsparen?“ In der Schweiz wollte der Bauherr wissen, wie man die Idee des Entwurfs noch steigern kann. Ein großer Glücksfall.

Welches Projekt steht als nächstes an? Woran arbeiten Sie grade?

In unserem Büro in Berlin bearbeiten wir viele Wettbewerbe für die 10 Standorte von baumschlager eberle. Ein von be Berlin gewonnener Wettbewerb wird von dem Büro vor Ort, sei es in Zürich, in Paris, in Hong Kong, usw. weiterbearbeitet. Wir in Berlin nehmen dann den nächsten Wettbewerb in Angriff. Gewinnen wir einen Wettbewerb in Deutschland bzw. in Berlin, bearbeiten wir ihn weiter. Gerade haben wir neben dem ehem. Flughafen Tempelhof den Wettbewerb für einen Verwaltungsbau gewonnen. Ein hochmotivierter Entwurf auf dessen Umsetzung ich mich sehr freue. Leider dürfen wir jedoch nicht alle gewonnen Wettbewerbe auch bauen.

Haben Sie dann noch Einfluss auf die Projekte, wenn Sie sie nicht selber bauen? (Nachfrage der Red.)

Das ist sehr unterschiedlich. Bei manchen Projekten sind wir bei der Entwurfsplanung noch dabei, bei manchen dürfen wir die Regeldetails entwickeln, manche dürfen wir komplett in der Werksplanung zeichnen, manche dürfen wir auch bauleiten. Das ist allerdings nur bei 25 % der gewonnenen Wettbewerbe der Fall. Die Architektur trägt jedoch immer unseren Namen. Die Autorenschaft ist uns wichtig.

Wovon lassen Sie sich inspirieren?

Von meinen Kindern – aber die Frage ist sicherlich auf das Büro bezogen. Unsere Entwurfsarbeit ist stark methodisch geprägt. Schwerpunkt bildet immer der Städtebau, die Konstruktion und die Gebäudehülle. Funktionen sind kurzlebig und daher in der Betrachtung weiter hinten. Das heißt nicht, dass ein Gebäude nicht funktionieren muss, aber gerade in der möglichen Flexibilität des Grundrisses liegt seine Stärke.

Worin sehen Sie die künftige Herausforderung für Architekten?

Die Frage würde ich gerne konkret für Berlin beantworten. Die Stadt hat über viele Jahre versäumt sich dem Thema Wohnungsbau anzunehmen. Jetzt haben wir einen enormen Zuzug, 175.000 Einwohner in nicht einmal 4 Jahren. Für diese Menschen gilt es, neuen Wohnraum zu schaffen, der den unterschiedlichsten Ansprüchen dienen kann. Wir Architekten haben dabei die Aufgabe, mit Fachkenntnis den öffentlichen Diskurs zu begleiten und brauchbare Vorschläge zu erarbeiten. Dieser Diskurs ist inzwischen in Berlin u. a. auch vom Senat angeschoben und auf einen guten Weg gebracht.

Was raten Sie jungen Architekten?

Mut zu haben und eine Haltung zu entwickeln. Sie dürfen sich nicht mit Mittelmaß zufrieden geben und müssen sich sehr hohe Ziele setzen. Bei der großen Konkurrenz müssen sie Qualität liefern. Nur dann haben sie überhaupt eine Chance. Der Architekturwettbewerb ist für junge Kollegen kaum noch zu leisten. Betrachtet man den Aufwand, den unser (erfahrenes) Büro betreibt, um zu Wettbewerben zugelassen zu werden und dazu noch den Nachweis der Referenzobjekte, erkennt man, wie schwer sich ein junges Architekturbüro damit tun muss. Die Chance, wie sie vor 20 Jahren noch bestand, die gibt es heute kaum noch. Leider.
 
Wenn Sie nicht Architekt geworden wären, wären Sie jetzt …

... Weinbauer! Das ist mir so halb in die Wiege gelegt worden. Ich komme aus einer Gegend, in der Weinbau sehr erfolgreich betrieben wird. Früh war klar, entweder der Junge macht das, oder er wird Architekt, wie sein Vater.
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