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Warum Martina Bauer Ray und Charles Eames gerne kennengelernt hätte.

Gute Architektur sollte…?

…lesbar sein, Funktionalität und Ästhetik vereinen können und eine Qualität jenseits von Zeitgeist und Mode besitzen. Sie sollte nach vorne denken und nicht sentimental rückwärtsorientiert sein. Und Architektur sollte ortsspezifisch sein, Heimat sein.

Architekten sollten…?

… mutig und leidenschaftlich sein. Sie sollten genauso gut zuhören wie überzeugen können. Außerdem immer das große Ganze im Auge behalten und genauso das kleinste Detail. Und Architekten sollten nicht vergessen, dass sie auch als so genannte Generalisten nicht alle Probleme selbst lösen können, sondern teamfähig bleiben müssen.

Gibt es Gebäude, die bei Ihnen eine besondere Leidenschaft auslösen?

Was mich immer wieder bewegt, ist das Sydney Opera House. Das liegt nicht nur an der Einbettung in die traumhafte Kulisse, sondern auch an der ganzen Entstehungsgeschichte. Dass ein Architekt einen Wettbewerb gewinnt und es schafft, über so eine Distanz und mit unglaublich langem Atem eine starke Idee umzusetzen. Ohne digitale Tools, und mit viel Streit, aber die Mühe war es wert!

Was war Ihr erstes Haus – wann war das?

Es war ein Haus, das ich aus einem Schuhkarton für meine Puppen gebaut habe.

Was bedeutet für Sie Zuhause?

Rückzug aus dem beruflichen Alltag. Die Seele baumeln lassen.

Von wem hätten Sie sich gerne Ihr Haus bauen lassen?

Von Ray und Charles Eames. Ganz einfach, weil ich die beiden wahnsinnig gerne kennengelernt hätte. Ich habe immer das Gefühl, das sie ihren Beruf mit unglaublich viel Freude und Leidenschaft betrieben haben.

Was würden Sie niemals bauen?

Ganz klar nicht für Diktatoren, für niemanden, der Verantwortung trägt in einem Land, in dem die politische Situation mehr als fragwürdig ist. Und auch nicht für Bauherren, die das Urheberrecht und die Zusammenarbeit mit Architekten nicht wertschätzen, die nur eine schnelle, platte Idee haben wollen und auch vor dem Kopieren nicht zurückschrecken.

Wovon lassen Sie sich inspirieren?

Sehr stark von guter Architektur. Es ist wichtig, sich in der Baugeschichte auszukennen und mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Das Rad wird ja auch in der Architektur nicht dauernd neu erfunden, es gibt so viel zu lernen, zu sehen, weiterzuentwickeln. Und dann lässt sich auch noch aus anderen Disziplinen und Bereichen Inspirationen gewinnen: Natur, Technik, Kunst, Mode...

Worin sehen Sie die künftige Herausforderung für Architekten?

Ich glaube, dass wir es schaffen müssen, den immer härter werdenden Anforderungen an die Architektur gerecht zu werden, ohne unsere Seele zu verkaufen. Der Druck steigt, die Erwartungshaltung an Terminschiene, Kostenrahmen und technische Performance. Ich bin nicht gegen Regeln, aber an manchen Stellen wird das Korsett sehr, sehr eng geschnürt. Und das sieht man der Architektur auch an.

Welches Projekt steht als nächstes an? Woran arbeiten Sie gerade?

Da ich die Wettbewerbsabteilung leite, ist es ein buntes Potpourri. Im Moment haben wir eigentlich alles auf dem Tisch, was man sich denken kann, von einem 60 Hektar großen Masterplan über einen Wohnturm bis hin zu einer Sportakademie.

Was raten Sie jungen Architekten?

„Seid mutig und tut was Schönes“. (frei nach der Berliner Modedesignerin Leyla Piedayesh)

Wenn Sie nicht Architektin geworden wären, wären Sie jetzt?

Ich glaube, ich wäre Köchin. Kochen hat ja auch sehr viel mit Gestaltung zu tun. Vor allem ist es aber auch das, wobei ich herrlich entspannen kann.
Barkow Leibinger
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