Fachhallenhaus, Hamburg-Othmarschen

Leben und Arbeiten unter einem Dach
Das 140 Jahre alte Fachhallenhaus in Hamburg-Othmarschen zeugt von der dörflichen Vergangenheit des von Stadtvillen geprägten Stadtteils. 1875 in Fachwerkbauweise erbaut, sind in dem Einhaus Wohnung, Stallraum und Erntelager unter einem Dach zusammengefasst. Mit einer Giebelbreite von 15 Metern und einer Firsthöhe von 12 Metern, ist das eingeschossige Haus mit seinem ausladenden Satteldach typisch für diesen Gebäudetypus. In den 1970er Jahren brannte das Haus bis auf die Außenmauern und wenige Balken und Stützen aus. Das Haus wurde wiederaufgebaut, die Instandsetzung allerdings verlief mit wenig Feingefühl.
 
So stand – nach einem Wechsel der Eigentümer – 2010 die Kernsanierung des Fachhallenhauses an. Im Zuge dieser Maßnahmen sollte das alte Gebäude aktuellen energetischen Standards angepasst und das Dach ausgebaut werden. Das erklärte Ziel der Bauherren/Architekten: Auf der einen Seite ausreichend Wohnraum für die vielköpfige Familie zu schaffen und auf der anderen Seite Platz für das Architekturbüro.
 
Zunächst ersetzten die Architekten, die in den 1970er Jahren verbauten Bauteile durch ein neues Tragwerk. Dadurch kommt der eigentliche Charakter des Hauses wieder zur Geltung. Durch das Auftragen einer 30 Zentimeter dicken Zellulosedämmung wurde das Dach aufgedoppelt. Auf die Innenseite der Außenwände wurde eine kapillaraktive Dämmung aufgebracht, so dass das Sichtmauerwerk erhalten blieb.
 
Durch den Durchbruch in der Dielendecke entstand ein zweigeschossiger Galerieraum, der das Erdgeschoss belichtet und den dreigeschossigen Dachraum erschließt. Im ersten Dachgeschoss liegen die Kinderzimmer sowie ein Spielbereich. Die Büroräume sind im zweiten Obergeschoss, das Schlafzimmer der Eltern befindet sich auf dem Spitzboden im dritten Geschoss.
 
Im einstigen Stall- und Scheunentrakt im Erdgeschoss befindet sich heute der offene Koch-, Ess- und Wohnbereich der Familie. Das ehemalige Scheunentor wurde verglast und zu einem riesigen Fenster umfunktioniert. Alle Fenster- und Türöffnungen blieben in ihrer Größe originalgetreu erhalten. Auch dadurch lässt sich die Historie des Fachhallenhauses ablesen. Typisch für Norddeutschland zieren nach außen öffnende Holzfenster den Giebel.
 
Die Räume selber, ausgestattet mit wenigen natürlichen Materialien, wirken einladend und zurückhaltend. Elemente wie die Stahltreppe kontrastieren zu den überwiegend verwendeten hellen Tönen von Böden, Wänden oder Möbeln. Auch die Elektroinstallation von JUNG im Design des Schalterklassikers LS 990 ist dazu stimmig in Alpinweiß gewählt. Ebenso liebe- wie planvoll saniert, bietet das stattliche Fachhallenhaus heute Platz zum Leben und Arbeiten unter einem, zugegeben wirklich imposanten, Dach.

Verwendete Designs und Technologien