Wien

„housing“
Wohnhochhaus – Luxusspielerei oder qualitativer Wohnraum für die Masse?

Die Stadt Wien gilt im europäischen Kontext als Wohnbauweltmeister. Keine andere Metropole legt den architektonischen Fokus so stark auf sozial geförderten, leistbaren Wohnbau wie die österreichische Hauptstadt. Doch können die Qualitäten eines Wohnhochhauses auch in diesem Kontext überzeugen? Welche Synergien können zwischen dem städtischen Raum und dem bisweilen als Luxusgut geltenden vertikalen Wohnraum entstehen?

Diesen Themen widmeten sich die 11. JUNG Architekturgespräche unter dem Motto „housing“ am 11. Oktober 2016 im Architekturzentrum Wien. Claudia Meixner, MEIXNER SCHLÜTER WENDT Frankfurt am Main und Kai-Uwe Bergmann, BJARKE INGELS GROUP (BIG) New York präsentierten ihre ganz individuellen ideologischen Ansätze zum gestapelten Wohnen und belegten diese anhand eigener Projekte im internationalen Vergleich. Moderatorin Angelika Fitz führte durch die anschließende Podiumsdiskussion, bei der sich durch die rege Publikumsbeteiligung die Relevanz des Themas deutlich widerspiegelte.
Angelika Fitz
Kunsthistorikerin, Autorin, Kuratorin
Wien

Architektur von klein bis groß
Durch die Präsentation von Projekten differenzierter Maßstäblichkeit baute Claudia Meixner in ihrem Vortrag einen perfekten Spannungsbogen auf: Angefangen bei freien Kunststudien zur Untersuchung des architektonischen Raumes in der Villa Massimo über plastisch skulpturale Entwurfsansätze für Einfamilienhäuser - wie beispielsweise der Villa Schlüter in Frankfurt - bis hin zum Wohnhochhaus. Dass dieses durchaus auch auf individuelle Wohnbedürfnisse eingehen kann beweist das Projekt AXIS, indem sowohl Reihenhäuser mit Garten als auch Singlewohnungen in der Frankfurter Innenstadt realisiert werden konnten. Heiß diskutiert wurde der Neubau des Henninger Turms in Frankfurt, bei dem die Architekten auf die ikonografische Wirkung des ehemaligen „Fasses“ der Henninger Brauerei setzten und den Wohnbau als Schichtung um dieses herum planten.
Claudia Meixner
MEIXNER SCHLÜTER WENDT
Frankfurt

Qualität durch Partizipation
Mit „BIG Thinking“ überzeugte Kai-Uwe Bergmann. Unter dem Namen „BIG U“ baut die New Yorker Dependance des dänischen Büros derzeit eine Mauer um die südliche Küste Manhattens. Diese dient in Zukunft nicht nur dem Überschwemmungsschutz, sondern bietet einen über 10 Meilen ununterbrochenen Nutzungsmix des öffentlichen Raums, wie Sportanlagen, Grünflächen, Freiraumtheater etc. Die einzelnen individuellen Nutzungsstrategien wurden in Kooperation mit Vertretern der jeweils ansässigen Bewohnerschaft entwickelt. Den Endpunkt bildet das ebenfalls von BIG entworfene Wohnhochhaus W57. Alle Wohnungen des in Form eines hyperbolen Paraboloid entworfenen Gebäudes entsprechen der selben Innenausstattung. Besonders ist jedoch, dass 30 Prozent dieser Wohnungen zu einem Bruchteil des regulären Preises vermietet werden um die soziale Durchmischung des Komplexes zu garantieren.
Kai-Uwe Bergmann
BIG (Bjarke Ingels Group)
New York