Zurück „TaunusTurm – be inspired"

Mitten in Frankfurt, im Zentrum des Bankenviertels, steht der 40 Stockwerke umfassende TaunusTurm; entwickelt von Tishman Speyer und Commerz Real. Insgesamt umfasst das Projekt zwei Türme: den Wohn- und den Büroturm.

„TaunusTurm - be inspired“, diesen Titel trugen auch die 9. JUNG Architekturgespräche am 27. Mai 2014 in Frankfurt am Main, hoch über den Dächern der Stadt. Über die Geschichte des Turms – vom Wettbewerb bis zur Fertigstellung – berichtete Martin Gruber aus dem Frankfurter Architekturbüro Gruber + Kleine-Kraneburg. Chris Middleton aus dem Studio KINZO aus Berlin referierte über die Innenraumgestaltung des Wohnturms, während Nina S. Beitzen, Director bei dem Berliner Architekturbüro Kuehn Malvezzi, in die Gestaltung der geplanten Museumsfläche Einblick gab. Florian Reiff, Geschäftsführer von Tishman Speyer Deutschland, sprach die Begrüßungsworte. Boris Schade-Bünsow, Chefredakteur der Bauwelt, führte durch die Veranstaltung.

TaunusTurm – eine neue Qualität für Frankfurt

Mitten im Bankenviertel Frankfurts gelegen, erhebt sich der TaunusTurm zwischen Japan-Center, Commerzbank und Taunusanlage. Angrenzend an den TaunusTurm entstand mit dem Wohnturm das TaunusTurmLiving. Das imposante Wohnhochhaus ermöglicht Leben mitten im Herzen der Mainmetropole. 

Neben den Bereichen Wohnen und Arbeiten wird künftig auch das Museum für Moderne Kunst (MMK) mit einer Dauerausstellung auf einer Fläche von 2.000 m² Einzug halten. Damit ist der TaunusTurm auch ein öffentlicher Ort
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Reduziert man den TaunusTurm auf reine Zahlen, treten seine markanten Merkmale deutlich hervor. Errichtet in einer Bauzeit von nur drei Jahren, misst der Turm 170 m in der Höhe. Dazu, so fasst Florian Reiff, Geschäftsführer von Tishman Speyer Deutschland, einleitend zusammen, bietet das Gebäude mit 1.500 qm pro Etage Frankfurts größte Hochhausgeschosse hinsichtlich der nutzbaren Fläche. Denn alle Büros sind stützenfrei konzipiert, womit sämtliche Nutzungen, von Openplan bis hin zu Kombibüros, umsetzbar sind. 

Neben der Größe ist auch die Kombination aus Büro- und Wohnturm ungewöhnlich. Statt irgendwo in der Peripherie, steht der kleine Bruder des Bürokomplexes mit seiner Höhe von 60 m mitten im Zentrum der Stadt. Allein das, so fasst Boris Schade-Bünsow zusammen, ist städtebaulich interessant und eine neue Qualität für die Stadt Frankfurt. Bis zur Erbauung aber verging viel Zeit. So liegen zwischen Wettbewerb und Fertigstellung fast 15 Jahre Projektgeschichte, drei Projekttitel, drei Entwürfe und drei unterschiedliche Bauherrn. Zuständig war allerdings, um auch hier den Zahlen treu zu bleiben, immer nur ein Architekturbüro: Gruber + Kleine-Kraneburg Architekten.
Florian Reiff
Geschäftsführer von Tishman Speyer Deutschland

Vom Wettbewerb zum Entwurf

Bereits 1998 wird der Standort des TaunusTurms seitens der Stadt Frankfurt im Hochhausrahmenplan beschlossen. Ein Jahr später können Gruber + Kleine-Kraneburg Architekten den Realisierungswettbewerb für ein Hochhaus mit Büro- und Wohnnutzung der Rheinischen Hypothekenbank um den TaunusTurm für sich entscheiden. Allein vom Standort mitten an den Wallanlagen, dem Grüngürtel Frankfurts, ist das Projekt für die Architekten, so schildert es Martin Gruber, von Anfang an interessant. Zusammen mit dem Japan-Center wollen die Architekten ein Ensemble schaffen. Im ersten Entwurf orientierte sich das ursprünglich mit 135 m Höhe geplante Gebäude zur Wallanlage. Kurz darauf erfolgt der erste Besitzerwechsel: Die Commerzbank übernimmt, der Bauplatz vergrößert sich und es folgen neue Entwürfe. Aber die Architekten bleiben.

2007 dann ein erneuter Besitzerwechsel, die Commerz Real zusammen mit Tishman Speyer übernimmt das Gelände. Es folgen neun Monate intensivster Projektarbeit, ein neuer Entwurf und mit ihm „die Idee Büro- und Wohngebäude zu trennen“, so Gruber. Zudem wird das Gebäude schlanker und wächst auf 170 m Höhe. Dann wird das Projekt „TaunusTurm“ seitens des Bauherrn vorerst gestoppt, es herrscht plötzlich Stillstand. Für Gruber+ Kleine-Kraneburg folgen Wochen des Rückzugs und der Kreativität und letztendlich der endgültige Entwurf: Das bisherige Rechteck des Büroturms wird in zwei Quadrate aufgelöst, die sich seitlich ineinanderschieben. Eine einfache Idee und nach der langen Zeit auch eine Befreiung, wie Gruber anschaulich schildert. Über das Zentrum der Quadrate wird das Bürohaus erschlossen. Um diese herum verlaufen die Büroräume mit einer Höhe von 3 m. 

Das 6-geschossige Podiumsgebäude mit Dachterrasse für Firmenveranstaltungen ist über eine eigenen Zugang an der Neuen Mainzer Straße erreichbar.

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Fragen an Professor Helmut Kleine-Kranenburg - Oder warum für Professor Helmut Kleine-Kranenburg Architektur missionarisch sein muss.
Martin Gruber
Gruber + Kleine-Kraneburg Architekten, Frankfurt a. M.

Ein Hochhaus für die Öffentlichkeit

Die zurückhaltende Natursteinfassade aus Kalksteinelementen vermindert die Kühlung im Sommer und die Erwärmung des Gebäudes im Winter. Ungewöhnlich für ein Hochhaus: Alle Fenster im TaunusTurm lassen sich manuell öffnen. So kann, trotz Heiz- und Kühlsystem, jeder individuell in seinem Büro für Frischluft sorgen.

Über die Mainlobby mit rund 12 m Höhe und 8 m großen Fenstern erreicht der Besucher den TaunusTurm. Die Lobby öffnet sich zur Wallanlage, wodurch das Gebäude unmittelbar Bezug zur umliegenden Umgebung herstellt. Von dieser Promenade aus erreichen Besucher auch die rund 2.000 qm große Museumsfläche des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt. Über deren Ausbau berichtet Nina S. Beitzen von Architekturbüro Kuehn Malvezzi aus Berlin. Die besondere Herausforderung, so die Architektin, liegt in der Bürosituation des TaunusTurms: 75% Tageslichteinfall, Decken mit einer geringen Höhe von 3 m – Faktoren, die für die Präsentation von Kunst schwierig sind. Im Vordergrund steht so immer die Frage: „was ist angemessen für die Präsentation von Kunst und wie kann dies in den Räumen des TaunusTurms erreicht werden, ohne gegen sie zu arbeiten“? Denn Kunst, so Beitzen, braucht eine Situation, ein Gegenüber mit dem sie sich ins Verhältnis setzt.
Die Lösung liegt in der logischen Fortführung der Konzeption des Museums für Moderne Kunst: Kuehn Malvezzi entwickelte dazu eine Landschaft, in der sich Besucher frei und ohne „chronologischen Parcours“ bewegen können. Blickachsen nach außen und innen sorgen für die nötigen Verknüpfungen zwischen den Exponaten.

Fragen an Nina S. Beitzen - Oder warum für Nina S. Beitzen Kunst ein Gegenüber braucht.
Nina S. Beitzen
Kuehn Malvezzi Architects, Berlin

Wohnturm: TaunusTurm Residential

Der private Wohnturm ist von der neuangelegten Promenade an den Wallanlagen zugänglich. Auf einer Höhe von 63 m verteilen sich 44 Wohnungen zwischen 25 qm und 250 qm Größe; unterteilt in die vier Typologien deluxe, superior, standard und micro. Dazu kommen rund 30 verschiedene Grundrisstypen, wie Chris Middleton aus dem Berliner Büro erklärt KINZO, welches für die Innenausstattung des Wohnturms zuständig ist.

Die besondere Herausforderung: Ein Design für alle 44 Wohnungen zu finden, das nicht nur die jeweiligen Eigenarten der Appartements berücksichtigt, sondern auch die Besonderheiten des TaunusTurm Residential im Inneren fortsetzt. Dazu versucht KINZO „die Architektur zu lesen, Qualitäten herauszunehmen, zu übersetzen und im Innenraum zu interpretieren“. Denn „wir“, so Middleton weiter, „wollen auf neutrale Art und Weise eine Innenarchitektur für Wohnungen schaffen, die jeder Nutzer später für sich personalisieren kann. Also keine wilden Farben oder außergewöhnliches Design, aber mit unterschiedlichen Stimmungen je nach Raum. Immer im Sinne der Architektur“.

Durch das besondere und besonnene Zusammenspiel von Privatheit und öffentlichem Raum, spektakulärer Aussicht, Kunst und Architektur ist der TaunusTurm städtebaulich wie architektonisch eine Bereicherung für Frankfurt.

Fragen an Chris Middleton - Oder warum für Chris Middleton Architekten eine Regiefunktion erfüllen sollten.
Chris Middleton
KINZO, Berlin

Credit Franziska Rieder