Zurück „Zukunft braucht Herkunft"
Der Generationenwechsel in Architekturbüros

Das eigene Büro nach einer Epoche von 30 oder mehr Jahren aufzugeben, dieser Gedanke fällt vielen Architekten verständlicherweise nicht leicht. Schließlich geht es um das eigene Lebenswerk, welches in fremde Hände übergeben wird. Und mit ihm auch das Renommee und der Name des Büros. Sehr persönlich sprachen Elisabeth Rüthnick von Rüthnick Architekten aus Berlin, Johannes Ernst von steidle architekten aus München und Professor Martin Haas aus dem Büro haascookzemmrich STUDIO2050 aus Stuttgart über ihre Erfahrungen mit Nachfolgeregelung und Unternehmensgründung. Moderiert wurden die 9. JUNG Architekturgespräch am 08.Mai 2014 in Berlin von Jan Friedrich, Redakteur der Bauwelt.

Fragen an Jan Friedrich - Oder warum Jan Friedrich gerne über Architektur schreibt.

Vier Modelle der Nachfolgereglung

Jedes Jahr finden sich rund 3000 Architekten- und Ingenieurbüros in einem Prozess der Büroübergabe wieder. Diesen Generationenwandel begleitet Unternehmensberater Jörg T. Eckhold, von der Eckhold Consultants GmbH aus Tönisvorst, seit Jahren erfolgreich. Denn neben rechtlichen Fragen, gilt es auch zu klären, in wie weit der bisher vorherrschende Architekturstil fortgeführt werden soll. Vordergründiges Ziel, so erklärte Eckhold, ist es dabei, den Wert der Firma zu erhalten. Das gilt insbesondere für die Zeit nach der Übergabe. Schließlich gilt es nach Abschluss der geschäftlichen Formalitäten das Büro mit seiner Historie erfolgreich in die Zukunft zu führen.

Fragen an Jörg. T. Eckhold - Oder warum Jörg. T. Eckhold für aktive Lebensplanung eintritt.
Jörg T. Eckhold
Eckhold Consultants GmbH, Tönisvorst

Elisabeth Rüthnick: Nachfolgerregelung aktiv gestaltet

Das Berliner Büro Rüthnick Architekten blickt heute auf eine Geschichte von 25 Jahren zurück. Seit 1995 wird es von Elisabeth Rüthnick und Wolfgang Planitzer gemeinsam geführt. Vor rund zwei Jahren trafen beide den Entschluss, ihre Zukunft und die der Mitarbeiter aktiv zu gestalten und die Nachfolge des Büros zu regeln. Diese Entscheidung, so erklärt Rüthnick, ist zum einen der sozialen Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern geschuldet, zum anderen entspringt sie aber auch dem Wunsch ihr Wissen an Jüngere weiterzugeben. Dieser bewusst gestaltete langsame Generationenwechsel – mit einem neuem Partner – bei Rüthnick Architekten steht in völligem Gegensatz zum ungeplanten Wandel bei steidle architekten, ausgelöst durch den plötzlichen Tod von Otto Steidle 2004.

Fragen an Elisabeth Rüthnick - Oder warum Architektur für Elisabeth Rüthnick nicht das Leben beeinflusst.
Elisabeth Rüthnick
Rüthnick Architekten, Berlin

Johannes Ernst: Metamorphose bei steidle architekten

Seitdem leitet Johannes Ernst, gemeinsam mit zunächst drei, heute zwei Partnern, das Büro steidle architekten in München. Heute blickt das Büro, trotz aller Umbrüche, auf über vierzig Jahre Architekturgeschichte zurück. Immer nach dem Motto Otto Steidles, „Kontinuität ist eine nach vorne gerichtete Bewegung“. Ein Leitgedanke, der zum einen bis heute prototypisch für die Arbeit des Büros ist, wie Johannes Ernst erklärt. Zum anderen ist er aber auch charakterisierend für die Zeit des Übergangs.

Wie sehr die Ära Steidles bis heute das Büro prägt, verdeutlicht Johannes Ernst durch seine Aussage „Zukunft braucht Tradition“. Vergleichbar mit der „Evolution, befinden sich „Architektur und Architekturbüro in ständiger Weiterentwicklung und Metamorphose“. Hervorgehend aus der „Ur-DNA“von Steidle, tragen steidle architekten und deren Bauwerke noch heute Teile dieser Ur-Gene. Das zeigt sich u.a. im Handeln der Mitarbeiter auf Grundlage des bei Steidle Erlernten.


Fragen an Johannes Ernst - Oder warum Johannes Ernst unsterblich in die Stadt verliebt ist.
Johannes Ernst
steidle architekten
Gesellschaft von Architekten und Stadtplanern mbH
München

Professor Martin Haas: Unternehmensgründung als Befreiung

Das Erlernte fernab des ursprünglichen Büros in die Tat umzusetzen, diesem Entwurf folgt das Büro haascookzemmrich STUDIO2050 aus Stuttgart seit 2012. Bis zu diesem Zeitpunkt arbeitete Professor Martin Haas, ebenso wie seine jetzigen Partner, als Projektleiter und Partner bei Behnisch Architekten. Die Entscheidung sich mit einem eigenen Büro selbstständig zu machen, ist bei ihm vor allem dem Wunsch nach Begrenzung (einem Büro mit kleineren Strukturen) und Befreiung geschuldet. Befreiung vom übergroßen Namen und der Aufgabe den „Supertanker Behnisch Architekten mit 100 Mitarbeitern auf Kurs zu halten“.

So individuell die Büros, so unterschiedlich sind die Vorgehensweisen der Referenten hinsichtlich der Nachfolgeregelung. Einig sind sich jedoch alle was den Erfolg beziehungsweise Misserfolg des Büros angeht; steht und fällt dieser doch stark mit dem persönlichen Einsatz und Geschick der Beteiligten neue Aufträge zu generieren. Denn aller wirtschaftlichen oder rechtlichen Regularien zum Trotz, nicht alles kann geregelt werden. Entscheidend beim Erfolg eines Büros ist die, wie Johannes Ernst von steidle architekten es nennt „tägliche Realität im Büro“. Der Moment, wo Architekt und Bauherr sich gegenübersitzen und jeder potenzielle Auftraggeber für sich überzeugt werden muss. Damit hängt die erfolgreiche Übertragung eines Büros an einen Nachfolger aber auch stark von menschlichen und damit schwer kalkulierbaren Komponenten ab.
Eine begleitende unternehmerische Beratung kann daher auch unter diesem Aspekt eine sinnvolle Unterstützung darstellen, damit es nicht irgendwann heißt, „Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit stellt das Büro XY -Architekten seine Tätigkeit ein…
Prof. Martin Haas
haascookzemmrich STUDIO2050, Stuttgart