Zurück Wolfgang Hardt

Warum Wolfgang Hardt für Architektur mit Verstand plädiert.

1. Gute Architektur sollte…

...im Volksmund würde ich sagen, gute Architektur ist das, was den Leuten gefällt. Aber gefallen ist ja bekanntlich, was aus dem Bauch heraus kommt. Und von daher ist diese Antwort sicherlich die falsche. Gute Architektur ist, was sich mit dem genius loci, mit dem Ort des Geschehens beschäftigt. Und zwar dort, wo der Bau entsteht.

2. Architekten sollten…

….weltoffen sein. Sich auf Gegebenheiten einlassen können. Es gibt Architektur, den Städtebau, es gibt die Bauherrenbedürfnisse in Form von Wirtschaftlichkeit, es gibt Nachhaltigkeit…. und der Architekt ist nur ein kleines Bindeglied hierin. Er darf sich nicht vorne hinstellen, als wäre der Meister für alles.

3. Gibt es Gebäude, die bei Ihnen eine besondere Leidenschaft auslösen?

Ich bin kein Fan von diesen total exklusiv, extravaganten, freistehenden Solitären. Die nur dazu da sind, dass sie in der Öffentlichkeit und den Medien breitgeschlagen werden, als das Zeitzeugnis des Jahrhunderts. Ich bin eher ein Freund dessen und deshalb wahrscheinlich auch in der Schweiz angesiedelt, wo man wirklich gute Architektur machen kann. Wo alle Kriterien berücksichtigt werden. (s. 1. Frage)

4. Was war Ihr erstes Haus – wann war das?

Das erste Gebäude war ein Einfamilienhaus, noch während der Studentenzeit. In der wirklichen Praxis nachher war es das Fußballstadion in Basel/Schweiz.

5. Was bedeutet für Sie Zuhause?

Der Ort ist wichtig und die Familie ist wichtig. Ich bin viel unterwegs und für mich ist der Begriff Heimat etwas, dass aus dem Bauch herauskommt. Heimat ist, hat mal ein ehemaliger Mitarbeiter zu mir gesagt, dort wo das Herz ist. Und das Herz ist dort, wo man sich wohlfühlt.

6. Von wem hätten Sie sich gerne Ihr Haus bauen lassen?

Nicht von mir. Wir haben uns lange mit der Familie Gedanken gemacht, als wir umgezogen sind, was wir machen. Wir haben uns dann dafür entschieden in keinen Neubau zu ziehen, sondern einen Altbau zu nehmen und den zu sanieren. Ich glaube, das war genau richtig. Denn mit einem Architekten verheiratet zu sein, ist sehr sehr schwierig. Ich würde mein Haus im Minimum dreimal im Jahr anders machen. Und mit einem Altbestand hat man nicht so viele Möglichkeiten.

7. Wenn Sie sich einen Traum – ohne Baugenehmigung – erfüllen dürften: Was würden Sie bauen?

Ein sehr offenes Gebäude. Ohne Wärmeschutzgesetze ohne Sicherheitsaspekte. Ohne all die Regeln, die man kennt.

8. Wovon lassen Sie sich inspirieren?

Ich selber bin kein Einzelgänger. Und das leben wir auch in unserem Büro. Wir sind immer ein Team. Unser Team besteht aus 18 verschiedenen Nationalitäten und jeder bringt seine Kultur und seinen Charakter mit und jeder hat irgendwelche Leidenschaften und Hobbys. Dazu gibt es bei uns „Projekt Exchange“. Exchange dahingehend, dass es von der Abteilungsleitung einen Austausch mit den Mitarbeitern gibt. Und von den Mitarbeitern mit der Abteilungsleitung. Und das finde ich ganz entscheidend.

9. Worin sehen Sie die künftige Herausforderung für Architekten? Wie muss Architektur in Zukunft sein?

Die künftigen Herausforderungen sehe ich dahingehend, dass wir die Normen begreifen, richtig auslegen, interpretieren und umsetzen müssen. Aber nicht blind, wie bei einem Brandschutzkonzept, sondern versuchen Vernunft walten zu lassen. Ansonsten entstehen ausschließlich monotone, einheitliche Gebäude. Wir haben in allen Städten einen großen Bestand an sehr schönen veralteten und nicht der Wärmeschutzverordnung entsprechenden Fassaden. Und wenn man die alle mit Wärmeschutzpaketen einkleistern würde, dann sehen die alle gleich aus. Da liegt eine große Aufgabe der Architektur: Damit das eigentliche Erscheinungsbild der Stadtlandschaft nicht verloren geht.

10. Der größte Erfolg?

Rein beruflich gesehen, meine Laufbahn an sich. Ich bin sehr, sehr jung. 38.

11. Welche Rolle spielen Wettbewerbe?

Grundsätzlich spielen Wettbewerbe eine große Rolle. Ein Architekt misst sich gerne, und das kann man am besten auf dem Wettbewerbsmarkt. Ich will nicht sagen, dass wir das aus Leidenschaft machen. Denn einerseits brauchen wir Wettbewerbe, damit wir sehen wo wir stehen und andererseits, um uns marketingtechnisch zu positionieren.

12. Welches Ihrer Projekte ist für Sie besonders wichtig?

Kann ich so nicht sagen. Für mich sind alle Projekte gleich wichtig. Wenn man es richtig angeht, mit Leidenschaft, kann man aus jedem Projekt etwas rausziehen.

13. Was würden Sie gerne bauen?

Eine Kirche. Weil eine Kirche ein wahnsinnig magischer und spiritueller Raum ist, der ausschließlich von seinen Raumproportionen lebt. Ich mag nicht so das Feuerwerk an Materialien, das Auge weiß gar nicht so genau, woran es sich dann orientieren soll. Und der Kirchenraum lebt nicht von der Materialität, sondern eher von der Zurückhaltung der Materialien. Und dahingehend ist der Raum als Proportion ganz entscheidend.

www.burckhardtpartner.ch
Burckhardt+Partner AG
Architekten Generalplaner

Dornacherstrasse 210
CH 4002 Basel
Tel.: +41 61 338 34 34
Fax: +41 61 338 34 35
basel@
burckhardtpartner.ch