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Wettbewerbe können für Abwechslung in der Baulandschaft sorgen und die Baukultur positiv beeinflussen.

Das zeigen unter anderem Bauwerke, wie das 1972 eingeweihte Olympiastadion in München. Die Gestaltung wurde als offener Wettbewerb ausgeschrieben, von einem Team unter Günter Behnisch gewonnen und realisiert. Auch das Berliner Kulturforum von Hans Scharoun entstand als Ergebnis des 1958 durchgeführten Wettbewerbs „Hauptstadt Berlin“. Beide Bauwerke stehen exemplarisch für herausragende Architektur, die Bezug zur bestehenden Bebauung nimmt, sich harmonisch in die Landschaft einbettet, beziehungsweise Funktionalität mit ästhetischen Mitteln und städtebaulich gerecht umsetzt.

Für Architekten bedeuten Architektenwettbewerbe aber nicht nur kreatives Messen, sondern auch viel Arbeit. Schließlich führt die Teilnahme an den Ausschreibungen nicht selten dazu, dass Nachtschichten eingelegt und Wochenenden durchgearbeitet werden. Zudem spielen auch der Aufbau des eigenen Ansehens, Aufmerksamkeit und die Generierung neuer Aufträge bis zum Überleben des Büros eine zentrale Rolle.

Zugangsbeschränkungen zu Wettbewerben

Erschwerend hinzu kommt, dass die rigiden Zugangsbeschränkungen zu den Wettbewerben es insbesondere jungen Büros teilweise schier unmöglich machen, sich auf eine spannende Planungsaufgabe zu bewerben. Eine Lösung sind offene Wettbewerbe. Nach der am 01. März 2013 novellierten Richtlinie für Planungswettbewerbe (RPW 2013) bieten sie "die größtmögliche Lösungsvielfalt für eine Planungsaufgabe". Allerdings wurden 2012 in Deutschland nur rund 10% aller Verfahren als offener Wettbewerb durchgeführt, Tendenz abnehmend. Wie unterschiedlich Architekten hierzulande, in der Schweiz und in Österreich mit diesen Herausforderungen umgehen, schilderten auf den 8. Architekturgesprächen in Frankfurt die Architekten Wolfgang Hardt von Burckhardt+Partner/Basel, Ansgar Schulz von schulz & schulz/Leipzig sowie Herwig Spiegl von AllesWirdGut/Wien.

Fragen an Boris Schade- Bünsow – Oder warum Boris Schade- Bünsow keine UFOS mag.
Boris Schade-Bünsow
Chefredakteur Bauwelt, Berlin

Frust und Freude: Wettbewerbe in der Schweiz

Grundsätzlich ist das Wettbewerbswesen in der Schweiz, so berichtet Wolfgang Hardt, gut ausgestattet. Rund 95% der Projekte sind mit Geld hinterlegt. Komplett offene Wettbewerbe sind allerdings auch in der Schweiz eher selten. In der Regel findet im Anschluss an die Bewerbung eine Qualifikationsrunde statt, nach der erst die eigentlichen Teilnehmer feststehen. Ein Projekt mit besonderen architektonischen und planerischen Herausforderungen stellte Wolfgang Hardt mit dem Bau des Ozeanium Zoo/Basel vor. Neben der Einbeziehung von Aquarienplanern, galt es hier den Einbau einer hochtechnisierten Anlage auf begrenztem Raum zu realisieren. Ende 2012 wurde der Wettbewerb für Burckhardt+Partner mit dem zweiten Platz entschieden. Ein Ergebnis, das angesichts des hohen geleisteten planerischen Aufwands im ersten Moment frustrierend war. Umgekehrt sorgte der erste Platz im Wettbewerb um den Bau der Schweizer Botschaft in Seoul/Südkorea für Freude, zumal der Aufwand weit weniger zeitintensiv war. Welche Schwierigkeiten nach gewonnener Ausschreibung mit der Realisierung beginnen, zeigt das Beispiel des Baus des Wukesong Stadions in Peking/China. Nach einer Budgetreduzierung um 50% und der Beschränkung von Burckhardt+Partner auf ein Beratungsmandat, übernahmen letztlich Dritte die Umsetzung. Womit das Gebäude heute mit dem ursprünglichen Entwurf der Schweizer Architekten kaum etwas gemein hat, trotzdem aber immer wieder mit ihnen in Verbindung gebracht wird. Frust und Freude, auch nach gewonnen Wettbewerben, liegen deshalb, so Wolfgang Hardt, oft dicht beieinander.

Fragen an Wolfgang Hardt - Oder warum Wolfgang Hardt für Architektur mit Verstand plädiert.
Wolfgang Hardt
Burckhardt+Partner, 
Basel

Know-how und Image : Wettbewerbe in Deutschland

Ansgar Schulz von schulz & schulz architekten/Leipzig, verdeutlicht am eigenen Lebenslauf, welche Bedeutung Architektenwettbewerbe gerade für junge Architekten haben. Parallel zu den ersten Baumaßnahmen, sammelte schulz & schulz architekten durch die Teilnahme an Wettbewerben Know-how und wichtige Referenzen. Seine Empfehlung deshalb: An möglichst vielen Ausschreibungen teilzunehmen, auch wenn die Anzahl der offenen Wettbewerbe deutlich rückläufig ist. Ist der Juryentscheid gefallen, vertritt schulz & schulz architekten die konsequente Philosophie, dass nur der Erste Preis gebaut wird. Würden alle anderen ihre Teilnahme nach dem Urteil zurückziehen, könnten unschönes Preisgerangel und daraus folgende Unstimmigkeiten unter den Architekten vermieden werden.
Die Herangehensweise von schulz &schulz architekten an Wettbewerbe zeigt Schulz beispielhaft an der katholischen Propsteikirche St. Trinitatis/Leipzig, der Lehrsammlung historischer Fahrzeuge der Westsächsischen Hochschule/Zwickau und dem Tor auf Schalke/Gelsenkirchen. Bei allen Entwürfen steht immer der Grundriss im Mittelpunkt. In Divergenz dazu steht, so Schulz, aber die Entscheidungsfindung der Jury, die zu oft ihren Fokus auf äußere Rahmenbedingungen legt. Womit Aspekte wie Nutzfläche, Brutto-Grundfläche oder die korrekte Lage des Eingangs im Zentrum stehen und weniger die Erfüllung des Entwurfs. Ein Zwiespalt, der durch erhöhte Kompetenz der Juroren vermieden werden könnte, so Ansgar Schulz.

Fragen an Ansgar Schulz - Oder warum Ansgar Schulz auch architektonisch leidenschaftlicher Schalker ist.
Ansgar Schulz
schulz & schulz, Leipzig

Hassliebe competition: Wettbewerbe in Österreich

Fleiß und Erfüllung der Auslobung: Sie reichen, so Herwig Spiegl von AllesWirdGut aus Wien – einem reinen Wettbewerbsbüro – für einen Sieg nicht aus. Problematisch zum einen ist, dass Entwürfe von den Juroren nicht als solche gesehen werden, sondern als in Stein gemeißelt und unveränderbar. Damit aber gehen immer wieder Einreichungen als Erstplatzierte hervor, die zwar eins zu eins baulich umsetzbar sind, aber nicht unbedingt das innovativste und beste Konzept beinhalten.
Verstärkend hinzu kommt, dass durch geforderte Überarbeitungsrunden der ursprüngliche Vorschlag der Wettbewerber angepasst wird, seine ursprüngliche Idee verlässt und zu einem Kompromiss wird. Anhand des Wettbewerbs um den Bau des WAZ-Media Office/Essen belegt Herwig Spiegl diese Theorie. So wurde AllesWirdGut nach der Überarbeitungsrunde als Zweitplatzierter mit der Realisierung des Bauvorhabens beauftragt, wohingegen der Siegerentwurf letztlich an den Zugeständnissen scheiterte. Um das zu vermeiden und mehr Baukultur zu schaffen, sollten Architekten ihrer ersten Überzeugung treu bleiben und die Jury Entscheide ohne Verzögerungen und mutiger fällen.

Fragen an Herwig Spiegl - Oder warum Herwig Spiegl Tankstellen faszinieren.

So unterschiedlich die Erfahrungen der Referenten sind, eines zeigt der Vortrag deutlich: Um mehr Baukultur zu schaffen und wirklich zu einem im Sinne der Ausschreibungen hochwertigen Ergebnis zu kommen, muss vor allem die Kompetenz der Jury sichergestellt sein. Sei es durch zielgerichtete Empfehlungen von Wettbewerben, wie denen des Schweizerischen Ingenieur- und Architekten-Vereins (SIA), oder durch selbstbewusstes und projektorientiertes Verhalten der Architekten.
Herwig Spiegl
AllesWirdGut, Wien