Transformation

Neue Chancen durch Veränderung

Der überwiegende Teil der Weltbevölkerung lebt in einem urbanen, stetig wachsenden Umfeld. Die daraus resultierende Verdichtung des Stadtraums bringt nicht nur ökonomische, ökologische und soziale Probleme mit sich, sondern eröffnet gleichzeitig neue Chancen für Umnutzungskonzepte ungewöhnlicher Bestandsbauten. So erhält ein in die Jahre gekommener Supermarkt oder ein zu klein gewordenes Fußballstadion neues Leben, ohne den Geist des Ortes in Vergessenheit geraten zu lassen.

Passend zum Thema „Transformation“ fanden die 11. JUNG Architekturgespräche am 15. Februar 2016 an einem ebenso traditionsbehafteten, revitalisierten Ort statt – dem Chamäleon Theater in den Berliner Hackeschen Höfen. Bob Allies aus London und Mathias Müller aus Zürich präsentierten ihre nicht ganz alltäglichen Umbauten und verdeutlichten das aus der neuen Nutzung entstandene Potential für den jeweiligen Ort. Zu Beginn der Veranstaltung ehrte Anne Zuber, Chefredakteurin der Zeitschrift Häuser, die Preisträger des „HÄUSER AWARD 2016 – Die besten Häuser in Europa“. Bernardo Bader, Gewinner des ersten Preises, präsentierte sein Projekt „Haus Kaltschmieden“, einen Neubau, der die Tradition des Bestandes meisterhaft würdigt. Durch die stark international geprägte Veranstaltung führte Dr. Thomas Welter, Bundesgeschäftsführer des BDA.
Dr. Thomas Welter

Bundesgeschäftsführer BDA Berlin

Neubau mit Tradition
Das Vorarlberger Büro bernardo bader architekten bewegt sich mit all seinen Entwürfen im Spannungsfeld zwischen Ort und Mensch. Den Ort hören und spüren und mit dem Bauherren und Handwerker auf Augenhöhe zu kommunizieren, sind grundlegende Elemente der Arbeitsweise und Philosophie des Büros. So auch bei dem Projekt „Haus Kaltschmieden“ in Doren. Auf dem 6.000 qm großen Grundstück im Bregenzer Wald befand sich ein altes Bauernhaus, das aufgrund gravierender Bauschäden nicht revitalisiert werden konnte. Um den Geist des Altbaus dennoch zu erhalten und das Haus wie selbstverständlich wirken zu lassen, wurde der Bestandsbau durch einen Neubau ähnlicher Größe an derselben Position ersetzt. Materialien und besondere Fundstücke aus dem Altbau wurden aufgewertet, bilden mit dem Neubau eine Einheit und verleihen dem Haus eine besondere Seele.
Bernardo Bader

bernardo bader architekten
Dornbirn, Österreich

Emotion neu definiert
Fußball nimmt in England einen sehr hohen Stellenwert ein, und so ist es nicht verwunderlich, dass ein emotionaler und traditionsbehafteter Ort wie das ehemalige Stadion des FC Arsenal am Highbury Square in London erhaltenswert ist. Das Büro Allies und Morrison lieferte den Vorschlag, die Kubatur des Stadions beizubehalten und im Inneren bezahlbaren und zugleich qualitativ hochwertigen Wohnraum zu schaffen. Die Maßstäblichkeit des Stadions wurde aufgelöst und in angemessene Grundrisse verwandelt. Dabei blieb das Grundraster der Besucherblöcke bestehen, sodass die konstruktiven Elemente wiederverwendet werden konnten und den Rhythmus der neuen Fassade vorgaben. Die äußeren Bestandsfassaden wurden lediglich saniert und erinnern dadurch auch in Zukunft an ein Stück Fußballgeschichte. Anstelle des Spielfelds erstreckt sich heute ein urbaner öffentlicher Garten – eine grüne Oase für das sonst so stark verdichtete London.
Bob Allies

Allies and Morrison Studios
London, Großbritannien
Mehrwert aus Transformation
Mathias Müller verdeutlichte an historischen Beispielen, wie das Transformieren eine Strategie sein kann, um interessante Räume zu entwickeln, die als Neubau nie entstanden wären. Er appellierte daran, Bestehendes ernst zu nehmen und durch neue Inspiration und Veränderung einen Mehrwert zu schaffen. Kurz nach der Gründung seines Büros EM2N Architekten kaufte er mit seinem Büropartner einen alten Supermarkt und transformierte diesen zum Wohnraum. Durch die vorgegebenen Raumhöhen, die nur teilweise durch Splitlevels aufgelöst wurden, erhalten die Innenräume ihre besondere Qualität. Den Wettbewerb für das Toni-Areal, eine alte Molkerei, gewannen sie durch den Respekt vor dem Bestand und die intelligente Einbindung scheinbar unnützer Räume. Sie entwickelten ein städtebaulich gedachtes Haus mit inneren Erschließungs- straßen, die sich dreidimensional durch das Gesamtareal ziehen. Die zentrale Komponente des Gebäudes ist der Mensch. Nicht alle Räume wurden deshalb strikt durchgeplant, sondern bieten dem Nutzer genügend Flexibilität in der Raumgestaltung.
Mathias Müller

EM2N Architekten
Zürich, Schweiz