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competition
Teamwork versus Neidkultur

„Notwendiges Übel“ könnte ein aktuelles Synonym für den Architekturwettbewerb sein: Einerseits gilt er als Garant für Qualitätssicherung unserer gebauten Umwelt, birgt andererseits jedoch enorme wirtschaftliche Risiken für die Architekturbüros. Hinzu kommt, dass der Zugang an teilnahmebeschränkten Wettbewerbsverfahren für junge und kleine Büros mangels Referenzen oft gar nicht möglich ist und dadurch frische, junge Ideen von Anfang an ausgeschlossen werden.

Kilian Kada (kadawittfeldarchitektur), Patrick Lüth (Snøhetta), Christian Schechinger (Endres+Tiefenbacher), Dirk Bonnkirch (competitionline) und Thomas Hoffmann-Kuhnt (wettbewerbe aktuell) diskutierten am 14. Juli 2016 im Rahmen der 11. JUNG Architekturgespräche in München über die Problematik der „competition“ im deutschsprachigen Raum. Der größte Kritikpunkt aller Podiumsteilnehmer war die in Deutschland vorherrschende Neidkultur. Die Architektenschaft müsste aktiv werden und durch eine offene Gesprächskultur und mehr Verständnis füreinander den Herausforderungen gemeinschaftlich begegnen.
Thomas Hoffmann-Kuhnt
wettbewerbe aktuell, Freiburg

Dialogisch Arbeiten
Skizze, Modellbau, Rendering – Wettbewerbe bei kadawittfeldarchitektur werden ganzheitlich gesehen und mit jedem Handwerkzeug entworfen. Dabei steht Kommunikation und Teamwork im Zentrum der Wettbewerbsarbeit. Das rund 40 köpfige Team der Wettbewerbsabteilung erhält innerhalb der Bürostruktur den selben Stellenwert, wie die ausführenden Architekten. Dies führt laut Kilian Kada, Leiter der Wettbewerbsabteilung, zu einem hochwertigen und angenehmen Arbeitsklima und gleichzeitig zu einer geringen Fluktuation und einer Erfolgsquote von fast 30%. Entwurfscoachings innerhalb der Abteilung fördern die Kommunikation und sind Ansporn, immer wieder das Beste aus den Mitarbeitern herauskitzeln. Kada präsentierte in seinem Vortag exemplarisch den gewonnen Wettbewerb zur DFB Akademie in Frankfurt und die Realisierung der Grimmwelt Kassel.
Kilian Kada
kadawittfeldarchitektur, Aachen

Spaß am notwendigen Übel
„Ohne sie gäbe es uns nicht und mit ihnen geht es uns oft schlecht“. Mit diesem Satz beendete Patrick Lüth, Büroleiter der Innsbrucker Dependance von Snøhetta, seinen kleinen Einblick in die Welt des norwegischen Architektenkollektivs. Anhand zweier bedeutender Wettbewerbserfolge – der Bibliothek in Alexandria und der Oper in Oslo – schilderte er die standortübergreifende Arbeitsweise, bei der jeder Mitarbeiter die Chance erhält, in allen Bereichen innerhalb der Bürostruktur zu Arbeiten. Kern des guten Bürozusammenhalts sei auch das tägliche gemeinschaftliche Mittagessen, das an jedem Standort um Punkt 12:00 Uhr frei von Arbeitsgesprächen stattfindet. Die starke Verbundenheit des Büros zur Natur und zur Kunst spiegelt sich im gesamten Werks Snøhettas wieder. So konnte die Oper in Oslo nur realisiert werden, da sie als Skulptur entwickelt wurde und Kunst in Norwegen keinem Baugesetz unterliegt. Als jüngster Wettbewerbserfolg zählt ein Seilbahnprojekt in Bozen zu den Arbeiten des Innsbrucker Standortes, der sich mit allen Projekten im deutschsprachigen Raum auseinandersetzt.
Patrick Lüth
Snøhetta, Innsbruck (AT)

Wie ein Gedicht
Heiter, harmonisch, hoch, heftig, hell, haptisch, herausfordernd, haltend, hängend, herabgelassen – so beschrieb Newcomer Christian Schechinger seinen durchaus poetischen Entwurf zum alten Schuehaus in Biberach am Riss. Eine architektonische Intervention in den öffentlichen Raum, mit der er 2015 den Hugo-Häring-Nachwuchspreis gewann.
Christian Schechinger
Endres + Tiefenbacher Architekten, Ausgburg

Nachwuchs weitergedacht
Auch in diesem Jahr fand die Preisverleihung des VFA Studentenwettbewerbs im Rahmen eines JUNG Architekturgesprächs statt. Jan Houdek von der UNI Kassel und Jürgen Höfler von der TU Berlin erhielten für ihren Vorschlag zum Motto „Elysium – die Rückeroberung der Stadt“ jeweils einen ersten Preis. In der Jury befand sich u.a. auch Podiumsteilnehmer Dirk Bonnkirch von competitionline.
Dirk Bonnkirch
competitionline, Berlin